21. Oktober 2026
Der Comboni-Missionar Bruder Konrad Tremmel ist seit vielen Jahren in Afrika in der Ausbildung handwerklicher Berufe tätig. Er hat vorher in Kenia und Malawi entsprechende Projekte begleitet. In Layibi im Norden Ugandas leitet Bruder Konrad im Auftrag der Diözese Gulu schon seit mehreren Jahren eine große Handwerkerschule. Sein Anliegen war es immer, dafür Sorge zu tragen, dass mit der Zeit gut ausgebildete einheimische Kräfte die Verantwortung für die Weiterführung der Berufsschulen übernehmen. Doch in der Verwirklichung dieses Vorhabens fehlt es fürwahr nicht an Schwierigkeiten …
In unserer Berufsschule hat sich die Anzahl der Auszubildenden leider in diesem Jahr stark reduziert, weil viele Jugendliche die Schulgebühren nicht mehr bezahlen können. Einigen von ihnen, die sich bereits im Abschlussjahr befinden, werden wir so weit wie möglich, durch die Spenden, die wir bekommen, helfen können. Aber es gibt mehr und mehr Klagen, weil sich die Eltern die hohen Kosten für die Ausbildung einfach nicht leisten können. Nachdem andere technische Schulen diesbezüglich günstiger sind, haben auch wir uns gezwungen gesehen, unsere Schulgebühren zu senken. Es muss aber auch gesagt werden, dass sich unsere technische Ausbildung mit Sicherheit als effektiver als die anderer Schulen erweist, weil sie stärker praxisorientiert ist, was aber auch höhere Kosten bedeutet.
Für Leute, die keinen anerkannten Schulabschluss besitzen, haben wir ein alternatives Ausbildungsprogramm entwickelt, in dem wir einige Kurse für Schreiner, Schlosser und Maurer anbieten. Dieses Angebot richtet sich vor allem an junge Mütter und an leicht behinderte oder traumatisierte Jugendliche. Wir halten an dieser Art informeller Ausbildung auch deshalb fest, weil die Kosten dafür viel niedriger sind und wir damit vor allem Schichten der Gesellschaft erreichen, die bedürftig sind und unsere Unterstützung besonders brauchen. Das hohe Maß an Armut in Uganda macht diese Bildungswege auch eher attraktiv.
Eine große Anzahl von Auszubildenden profitiert von dieser Möglichkeit. Dieser Ausbildungsweg wird zudem auch überwiegend von einheimischen Organisationen gesponsert. Die Mehrheit derer, die auf diese Weise eine Berufsausbildung erhalten, findet anschließend auch Arbeit in den lokalen Industriebetrieben. Das eröffnet vielen Jugendlichen wiederum bessere Aussichten für die Gestaltung ihrer Zukunft und gibt ihren Familien die Möglichkeit, ein eigenes Einkommen zu haben und damit den Kreislauf der Armut zu durchbrechen. Doch diese Art von Lehre, die sich nur über einen Zeitraum von ein paar Monaten erstreckt, kann natürlich niemals eine grundlegende zweijährige Ausbildung ersetzen.
Leider haben wir immer mehr Schwierigkeiten mit der staatlichen Behörde, deren Beamte ihre Aufgabe nicht ernst nehmen und wichtige unserer eingereichten Unterlagen verlieren. Seit einem Jahr wird die Ausbildung in einigen unserer technischen Berufszweige wie der der Maurer und Installateure nicht mehr offiziell anerkannt, obwohl wir diese technischen Bereiche schon seit vielen Jahren hier in unserer Schule unterrichtet haben. Im Klartext bedeutet das, dass sich unsere Auszubildenden in einer anderen staatlichen Schule für die Ablegung der Prüfungen einschreiben müssen, was für sie wiederum sehr teuer und zeitraubend ist. Private Schulen wie unsere werden damit vom Staat nicht mehr länger toleriert und wir müssen deshalb wohl nach Alternativen Ausschau halten.
Der Regierung ist es ganz offensichtlich ein Dorn im Auge, dass private Schulen bei weitem über eine bessere Ausstattung verfügen, bei der Bevölkerung einen guten Ruf genießen und deshalb viel beliebter sind. Und weil auch die technische Ausbildung an diesen Einrichtungen viel effizienter ist als an den staatlichen Schulen, bekämpft uns die Regierung mit allen möglichen Mitteln.
Trotz dieser Hindernisse haben wir in diesem Jahr in den uns angegliederten Produktionswerkstätten wieder einige größere Aufträge in Angriff genommen und unter anderem den Kindergarten von der heiligen Bakhita in Gulu renoviert. Wir haben die Einrichtung für das Diözesanseminar in Alokolum und für das Krankenhaus in Matany hergestellt und die Schulmöbel für das Kinderheim St. Klara in Norduganda geliefert. Unsere Leute haben mit dem Bau von Wohnhäusern begonnen und die Vorarbeiten für den Bau eines Labors in Omiya Anyima Kitgum geleistet, dessen Errichtung sich inzwischen in einem fortgeschrittenen Stadium befindet. All diese Projekte verhelfen unserer Schule zu einem besseren und sicheren Einkommen. Sie bieten uns die Möglichkeit, Fachkenntnisse an die einheimische Industrie weiterzugeben. Sie fördern außerdem die praktischen Erfahrungen unserer Auszubildenden. Mein Dank gilt allen in der Heimat, die unseren Einsatz für eine bessere Zukunft der Menschen hier durch ihre Spenden unterstützen.
Bruder Konrad Tremmel