Die Stadt Cali in Kolumbien erlangte zweifelhafte Bekanntheit durch das berüchtigte Cali-Kartell, das im Kokainhandel mit Medellin konkurrierte. Auch nach dessen Zerfall spielen der Drogenhandel und die damit verbundene Gewaltkriminalität eine große Rolle. In dieser Millionenstadt lebt und arbeitet der Comboni-Missionar Pater Fufa Ensermu Wakuma.

Pater Fufa stammt aus dem südwestlichen Teil Äthiopiens. Durch einen Gemeindepriester kam er in Kontakt mit den Comboni-Missionaren, bei denen er 2002 mit seiner Ausbildung anfing. Zum Postulat blieb er in Äthiopien, das Noviziat absolvierte er in Lusaka (Sambia). Am 20. Juli 2006 kam er in Lima (Peru) an. Es war der peruanische Unabhängigkeitstag, und Pater Fufa erinnert sich noch, wie laut es war, als die Menschen feierten. Große Veränderungen kamen auf ihn zu, er musste sich an die Kultur gewöhnen und die spanische Sprache lernen. Anschließend studierte er vier Jahre lang Theologie. Während dieser Zeit arbeitete er in der St. Daniel Comboni Gemeinde in Lima-Chorillos. Weitere missionarische Einsätze führten ihn nach Tarma, ins Hochland nach Cerro de Pasco, wo er unter der Höhenkrankheit litt, nach Iquitos im heißen Amazonasbecken oder in Außenstationen, zu denen er 36 Stunden im Boot unterwegs war. Während seiner Zeit in Arequipa stellte sich die Frage, wohin er nach seiner Priesterweihe gegen sollte. Zur Wahl standen Kolumbien oder das frankophone Afrika. Nach drei Tagen Überlegung war die Entscheidung gefallen, und Pater Fufa reiste zunächst in die Hafenstadt Tumaco, ins südwestliche Kolumbien. 95 % der Bevölkerung haben afrikanische Wurzeln. Dort war er, auch im Auftrag der Diözese, hauptsächlich in der Jugendpastoral tätig.

Seit Anfang 2018 arbeitet Pater Fufa in Cali. Dort hat er ein schwieriges Umfeld vorgefunden Die wirtschaftliche Situation ist kritisch, der Lebensstandard bescheiden, und es gibt soziale Spannungen. Drogen, Drogenhandel und eine hohe Kriminalitätsrate beherrschen das alltäg-liche Leben. Die Menschen versuchen, Bedrohungen zu meiden. Pater Fufa betont, dass er nie angegriffen worden ist. Er hat beobachtet, dass oft soziale Anführer Ziel von Attacken waren, und viele wurden getötet. Das löst bei vielen Leuten ein ungutes Gefühl aus. Dazu kommt, dass sie wenige Möglichkeiten haben, ihre soziale Situation zu verbessern.

Kolumbinen hat eine hohe Katholikenrate, und der katholischen Kirche wird Respekt entge-gengebracht. Neben einigen Protestanten gibt es auch wenige Moslems. Die Christen enga-gieren sich in der Gemeindearbeit, die meisten Katechisten (ca. 95 %) sind Frauen. Pater Fufa arbeitet mit zwei Mitbrüdern im größten Stadtviertel Charco Azul in der Capilla María Madre del Buen Pastor, einer Gemeinde mit etwa 5000 Mitgliedern. Die Bevölkerung kommt hauptsächlich von der Küste und lebt in einfachsten Verhältnissen. Der einzige Ausweg, betont Pater Fufa, besteht darin ihre Ausgangssituation zu ändern. Da seine finanziellen Möglichkeiten sehr begrenzt sind und er bei seiner Arbeit mit etwa 300-400 $ monatlich aus Spenden und Messintentionen auskommen muss, steht er in engem Kontakt mit den örtlichen Behörden. Er spricht von einer guten Atmosphäre, hoher Sensibilität und einem Dialog des Friedens und der Menschenrechte. So übernimmt die Verwaltung die Kosten für eine Kinderspeisung.

Obwohl Pater Fufa alle Bereiche der Gemeindepastoral abdeckt, legt er einen Schwerpunkt auf ganzheitliche Kinder- und Jugendarbeit. Es gibt Aufgabenbetreuung und Erstkommuni-onvorbereitung, aber auch Freizeitangebote wie beispielsweise einen Salsa-Kurs. Zu den Gruppentreffen kamen anfangs nur wenige Kinder, aber das Angebot sprach sich herum und wird nun gut angenommen. Allmählich sollen Langzeitprojekte beginnen.

Ein großes Anliegen ist Pater Fufa die Bildungsarbeit. Er zitiert Nelson Mandela: „Education is the most powerful weapon which you can use to change the world” (Bildung ist die mächtigste Waffe, um die Welt zu verändern). So gibt es Angebote für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. An der Universität sind neun Studenten mit Stipendium eingeschrieben, darüber hinaus gibt die Universität einen Nachlass auf die Studiengebühren. Die Organisation „Abriendo Caminos“ (Wege eröffnen) unterstützt Erwachsene dabei, eine Arbeitsstelle zu bekommen, und Präventionskurse sollen die Zahl der Drogenabhängige mindern. Zahlreiche Laien helfen, die  Gruppen zu organisieren.

Pater Fufa sieht seine Mission im Geiste Combonis, wo Menschen Respekt erfahren und nicht als Mittel gebraucht werden. Er spürt eine Verpflichtung – nicht als Katholik, sondern als Mensch. Bei all dem Engagement bleiben aber auch Enttäuschungen nicht aus. Doch er erinnert daran, dass es den Aposteln genauso erging – sie wurden aufgenommen, ignoriert oder verfolgt – dann haben sie den Staub abgeschüttelt und sind weitergegangen. Für ihn hat die persönliche Würde Vorrang, und er möchte wenigstens ein bisschen zu einem menschliches Umfeld  beitragen, wo die Menschen in Frieden und Gerechtigkeit leben können.