22. Dezember 2025

Meine zweite Bestimmung in den Südsudan ist dann doch noch etwas anderes als das, was ich bislang kennengelernt habe. Noch kämpfe ich mit Verständigung, kulturellen Besonderheiten, Staub und Moskitos. An Hitze, Schwüle und magere Verpflegung habe ich mich gewöhnt. In den letzten Tagen ist das Wetter angenehmer (hochsommerlich) geworden und die Kinder tun sich schwer, bei 22 Grad Celsius aufzustehen. Ich lebe einfach, aber nicht schlecht hier in Bentiu bei Christian Carlassare, einem jungen Bischof, der nahe bei den Menschen und schon zwanzig Jahre im Land ist. Unsere Unterkunft wird langsam fertig und hat einen Fußboden, der aus Mist, Blätter und Lehm von Frauen gestampft und geschmiert wurde. So riecht unsere einfache Behausung vielleicht ein wenig wie der Stall von Bethlehem?

Gewöhnt habe ich mich noch nicht an die Perspektivlosigkeit, mit der die Menschen hier tagtäglich zu kämpfen haben. Es mangelt an allem, und doch geht das Leben weiter und seinen Gang. Vielleicht empfinde ich, als von außen Kommender, die Not noch mehr als die Menschen selbst. Mit einem absoluten Minimum an Lebensmitteln, Hausrat und Behausung schlagen sich die Menschen durch. Sie sind Pilger im wahrsten Sinn des Wortes. Wenn sie dann etwas bekommen, müssen sie es wiederum teilen, denn jeder und jede ist bedürftig. An Morgen wird dann morgen gedacht.

Jedoch haben die Menschen bei allem Mangel und Not ihre Würde und Hoffnung nicht verloren. Auch ein Lachen ist nicht selten. Im Krankenhaus habe ich einen kleinen Jungen ganz lässig auf einem Stuhl sitzen sehen. Er hatte „ganz schöne“ Verbrennungswunden, hat aber über das ganze Gesicht gestrahlt mit einer Freude, die ich von Kindergesichtern zu Weihnachten kenne. Diese Freude im Gesicht des Jungen spricht von innerer Freiheit und wird mir in Erinnerung bleiben. Das bewegt mich und motiviert mich, nicht nur eine Schule für die vielen Kinder, die ohne Schulbildung sind, zu bauen, sondern vielerorts die Hand zu reichen.

Ich danke allen, die mich so sehr und aufmerksam unterstützt haben. Die Wochen waren anstrengend, und ich bin jeden Abend todmüde in den Schlaf gefallen. Deshalb heute nur ein kurzes Lebenszeichen. Im Januar werde ich in Juba sein und mehr Zeit haben. Dort haben wir unsere Provinzversammlung, und ich werde Baumaterialien für den Schulbau einkaufen. Denn nur von Ende Januar bis Mai sind die Straßen nach Bentiu befahrbar.

Ich wünsche Euch gesegnete und frohe Weihnachten und ein gesundes Neues Jahr.

Euer
Br. Hans Eigner

Bentiu, 4. Adventssonntag 2025