Geburtshaus von Daniel Comboni
Im Gärtnerhaus (im Bild vorne unten) dieser Zitronenpflanzung wurde Comboni geboren.
Malbes
Malbes – eine der Gründungen Combonis.
Daniel Comboni und sein Plan
1864: Daniel Comboni veröffentlicht seinen „Plan“.
Hl. Daniel Comboni
Heiliger Bischof Daniel Comboni.

Daniel Comboni – heiliger Gründer der Comboni-Missionare

Ein Leben für Afrika

Daniel Comboni war einer der bedeutendsten Wegbereiter der Kirche in Afrika, vor allem im Sudan. Sein Weg war nicht frei von schmerzhaften Einschnitten und Brüchen. Die Erfahrung mit dem Sklavenhandel sollte für ihn entscheidend werden.

Geboren am 15. März 1831 in Limone am Gardasee als Kind von Arbeitern in einer Zitronenpflanzung war er der einzige Überlebende von acht Geschwistern. Seine gläubigen Eltern waren hoch erfreut über seine Absicht, Priester zu werden, aber tief erschrocken, als sie hörten, er wolle Missionar werden. Sie hatten auf ihn als Stütze in ihrem Alter gehofft.

Comboni wurde Mitglied eines Instituts von Priestern und Laien in Verona, das ein Priester namens Nicola Mazza 1833 gegründet hatte. Mazza hatte mit seinem Vermögen Schulen für arme Kinder eingerichtet. Als Bub hatte Comboni in der Schule Mazzas Aufnahme gefunden. Er wurde schließlich Vertrauter und persönlicher Freund Don Mazzas, der selber früher hatte Missionar werden wollen. Bei Mazza kam Comboni auch in Kontakt mit afrikanischen Kindern, die aus der Sklaverei freigekommen waren.

Ein Weg voller Schwierigkeiten und Scheitern

Der erste Einsatz Combonis war ein totales Scheitern. Mit fünf Gefährten des Instituts in Verona, dem er angehörte, war er 1857 nilaufwärts über Khartum in eine Station mit Namen „Heilig Kreuz“ in der Nähe von Juba, der Hauptstadt des heutigen Südsudan, geschickt worden. Nach einem Jahr waren drei seiner Gefährten gestorben. Comboni selber musste schwerkrank zurückkehren. Drei Jahre später wurde die Mission im Innern Afrikas aufgegeben. Fast alle Missionare waren gestorben, die übrigen hatten den Mut verloren.

Die Vorstellung des Don Mazza und seiner Nachfolger von missionarischer Arbeit war eher traditionell: Er wollte für sein Institut ein eigenes Missionsgebiet und meinte, die später afrikanischen Führungskräfte sollten in Europa unterrichtet werden. In dem Maß, in dem Comboni seine Erfahrung aus dem gescheiterten Unternehmen verarbeitete, merkte er, dass es so nicht ging. Es kam zu Meinungsverschiedenheiten – vor allem mit den Nachfolgern Mazzas. Schließlich sah Comboni sich nach langen Jahren der Zugehörigkeit gezwungen, das Institut zu verlassen.

Combonis großer „Plan“: Neue Formen der Mission

Comboni hatte zu viel an Leiden der Menschen in Afrika gesehen. Der Traum von einem neuen Afrika ließ ihn nicht mehr los. So kam es, dass er 1864 einen „Plan für die Erneuerung Afrikas“ ausarbeitete. Wesentliche Grundzüge dieses Planes sind:

  1. Die Mission in Afrika darf nicht Sache von Nationen und von einzelnen Orden sein, sondern muss von der ganzen Kirche getragen werden.
  2. In Afrika muss das Evangelium von Afrikanern selbst verkündet werden. Europäische Missionare sollen dazu Hilfestellung geben.
  3. Mission muss menschliche Förderung und Befreiung von jeder Art der Sklaverei beinhalten.

Der Plan war wegweisend, auch wenn er schließlich nicht voll umgesetzt werden konnte. Zunächst musste Comboni Mitarbeiter suchen, welche die bereits laufende Missionsarbeit trugen. So eröffnete Comboni am 1. Juni 1867 in Verona ein kleines „Missionsinstitut für Afrika“. Es war noch keine Ordensgemeinschaft, sondern eine bunte Gruppe von Diözesanpriestern und Mitgliedern verschiedener Orden sowie von Laienmitarbeitern – alle aus verschiedenen Ländern. Dennoch war dieser Tag quasi der Beginn der Kongregation der Comboni-Missionare.

Von Anfang an hat Comboni die Mitarbeit der Frauen in der Mission gesucht. Deshalb gründete er schließlich 1872 in Verona eine Schwesterngemeinschaft – die heutigen Comboni-Missionsschwestern.

Für die Mission in Afrika suchte Comboni nicht nur heilige Menschen, sondern auch fähige Personen. Da er von Afrika her dachte und traditionelle Ausbildungsmodelle ablehnen musste, sollte es viele Missverständnisse und viel Ärger geben. Die Kirche damals war nicht offen für solche neuen Wege. Den Preis bezahlten Missionarinnen und Missionare mit Misserfolgen.

Comboni war seiner Zeit voraus. Auch in Europa setzte er auf die Zusammenarbeit mit Laien. Auf zahlreichen Reisen durch Europa – sie führten ihn bis nach Petersburg und London – mobilisierte er die katholische Öffentlichkeit für Afrika. So wurden die von Laien getragenen Missionsvereine von Wien und vor allem von Köln wichtige Kooperationspartner. Die Nationalität seiner Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen spielte für ihn keine Rolle. Vielmehr fühlte er sich „katholisch“, Mitglied einer Kirche, zu der Menschen aller Hautfarbe gehören. Bemerkenswert war auch, wie positiv er im Gegensatz zu vielen Zeitgenossen von den Afrikanern sprach. Dass Afrikaner und Afrikanerinnen Priester, Schwestern und Bischöfe werden sollten, war für ihn selbstverständlich. Es sollte jedoch Jahrzehnte dauern, bis sich dieses Denken in der Kirche durchsetzen konnte.

Missionar und Bischof

Fast zehn Jahre seines Lebens, vor allem die letzten, verbrachte Daniel Comboni in Afrika. Zusammen mit seinen Mitarbeitern festigte er die Mission in Khartum und gründete Stationen in El Obeid, Dilling, Malbes, Berber und Schellal. In Kairo richtete er Schulen für schwarzafrikanische Jungen und Mädchen ein. Diese freigekommenen Sklavenkinder sollten nicht mehr in Europa ausgebildet werden. Ferner entstand durch ihn eine Einrichtung zum Sprachstudium und zur Einführung von Missionaren. Die Lehrer dort waren Afrikanerinnen und Afrikaner.

Im Jahr 1877 wurde Comboni erster Bischof von Khartum. Aber vor allem seine letzten Jahre waren eine Mischung von hoffnungsvollen Ansätzen und Phasen voller Schwierigkeiten. Zu letzteren gehörten der Sklavenhandel, eine Dürrekatastrophe, Missverständnisse mit Mitarbeitern und der Kirchenleitung. Comboni war ein Mann, der Menschen begeisterte, aber sich und andere auch nicht schonte. Dazu kam, dass viele und oft die besten Mitarbeiter an Tropenkrankheiten starben. Den meisten dieser Krankheiten stand die Medizin damals hilflos gegenüber. So starb auch Comboni am 10. Oktober 1881 mit 50 Jahren in Khartum völlig erschöpft am tropischen Fieber.

Ein Jahr nach seinem Tod zerstörte ein Aufstand fundamentalistischer Muslims und Nationalisten gegen die anglo-ägyptische Herrschaft im Sudan alle Missionsstationen. Das Grab Combonis wurde verwüstet. 16 Missionsschwestern und Missionare gerieten in Gefangenschaft. Mehrere von ihnen kamen dabei um. Erst 1899 konnten Missionare wieder in den Sudan zurückkehren. Sie waren trotz dieser Katastrophe nicht entmutigt worden. Das Gegenteil war der Fall: Die Mission Combonis kam jetzt erst richtig in Schwung.

Am 5. Oktober 2003 wurde Bischof Daniel Comboni heiliggesprochen.

Mehr dazu in: Geschichte der Comboni-Missionare