geboren am 07.12.1938 in Anger, d. Graz-Seckau (A)
Zeitliche Gelübde: 29.09.1959
Ewige Gelübde: 15.02.1964
Priesterweihe: 05.07.1964
verstorben am 09.09.2021

Pater Alfred Putz wurde am 7. Dezember 1938 in Koglhof bei Birkfeld in der Oststeiermark (Diözese Graz) geboren und ist am 9. September 2021 in Graz-Messendorf gestorben.

Er war unter den ersten Buben, die 1950 mit elf Jahren in dem nach Krieg und Besetzung einigermaßen wieder hergerichteten Missionshaus in Unterpremstätten bei Graz Aufnahme fanden. Am 14. September 1938 wurde das Seminar nach der Besetzung Österreichs durch die Nationalsozialisten als erste Niederlassung der Kongregation von den neuen Machthabern geschlossen und beschlagnahmt. Nacheinander wurde das Haus von SS, Flüchtlingen, Hitlerjugend und Luftwaffe genutzt, bevor es am 9. Mai 1945 von den Russen und am 24. Juli 1945 von den Engländern besetzt wurde. Erst am 3. Mai 1947 erhielt die Kongregation das Haus zurück. Unter schwierigen Umständen konnte es erst wieder am 15. September 1948 eröffnet werden.

Alfred war wiederum unter den ersten Österreichern nach dem Krieg, die 1958 nach dem Abitur ins Noviziat der Comboni-Missionare in Bamberg eintraten. Im September 1959 wurde das neue Noviziat in Mellatz fertiggestellt und eingeweiht. Schon Monate vorher hatten die Novizen von Bamberg das neue Haus bezogen, die dann am 29. September 1959 die ersten Gelübde ablegten und gleich wieder nach Bamberg zurückkehrten, um dort an der Theologischen Fakultät das Studium zu beginnen. Am 15. Februar 1964 weihte er sich für immer mit den ewigen Gelübden Gott und der Mission. Am 5. Juli 1964 wurde er in Graz zum Priester geweiht.

Sein Wunsch, in die Mission auszureisen, ging schnell in Erfüllung. Gleich nach der Priesterweihe erhielt er Sendung nach Peru. Er begann seine Missionsarbeit in der Pfarrei San Pedro in Huánuco, deren Pfarrer er später wurde. Zur Pfarrei gehörten auch viele Bergdörfer auf den Höhen. Seine besondere Sorge galt der Legio Mariä. Sein Einsatz dort war aber von kurzer Dauer.

Denn bereits 1971 wurde er in die Heimat zurückgerufen. Er übernahm in unserem Missionshaus in Unterpremstätten die Verbreitung des „Werk des Erlösers“ und die Begleitung und Betreuung der Förderinnen und Förderer. In dieser Zeit arbeitete Pater Alfred auch in der so genannten „Aktion Missio“ mit. Im Team mit anderen Missionarinnen und Missionaren wurden die Dekanate, Pfarren und Schulen der Steiermark besucht. In Gottesdiensten, Vorträgen, Jugendeinkehrtagen und Podiumsdiskussionen sollte eine neue Sicht der Weltmission vermittelt werden, die durch das 2. Vatikanische Konzil vorgegeben war. Es war schon damals das Anliegen der Comboni Missionare neue pastorale Erfahrungen der Weltkirche in die Heimatkirche einzubringen.

Bald fiel Pater Alfred auch eine andere wichtige Aufgabe zu. Das Schloss in Premstätten, in dem unser Missionsseminar untergebracht war, konnte günstig und zur rechten Zeit an einen amerikanischen Industriellen verkauft werden. Es war eine große Leistung von Pater Alfred, dass innerhalb kürzester Zeit in Messendorf bei Graz ein neues Missionshaus errichtet wurde.  Hier begann unter seiner Leitung auch Schritt für Schritt der Aufbau einer lebendigen Gottesdienstgemeinde mit Jungschar- und Jugendarbeit, mit Missionskreisen und anderen Gruppen, mit einer lebendigen und anspruchsvoll gestalteten Liturgie. Für vieles, was an pfarrlichem Leben in Messendorf bis heute zu spüren ist und sich ständig weiterentwickelt, wurden damals von Pater Alfred die Fundamente gelegt. Ihm verdankt das Missionshaus Messendorf seine heutige Gestalt und Ausstrahlung.

Eine neue Art von Mission kam dann auf Pater Alfred zu, als er 1990 noch einmal nach Peru, und diesmal nach Arequipa, in die zweitgrößte Stadt des Landes gesandt wurde. Dort war er zunächst in der Pfarrei „Espíritu Santo“ im Stadtteil „Alto Selva Alegre“ tätig. Ab 1994 wurde er mit dem Aufbau der neuen Pfarrei „El Buen Pastor“ beauftragt. Dieser Umzug an den äußersten Stadtrand war eine große Herausforderung für den neuen Pfarrer. Neben einem Haus für die Gemeinschaft musste auch eine neue Kapelle und ein Pfarrsaal errichtet werden. Einer seiner Mitbrüder, die damals mit ihm arbeiteten, erzählt, dass Pater Alfred in seiner ruhigen Art diese neue Aufgabe mit Hingabe und großem Engagement gemeistert hat, und dass die Erinnerung an ihn im Herzen der Menschen lebendig geblieben ist.

Pater Alfred war immer offen für neue Entwicklungen in der Pastoral. In Peru ließ er sich damals vor allem von der Erneuerungsbewegung NIP (Nueva imagen de la parroquia) ansprechen und in den Dienst nehmen. Einige aus den Missionsgruppen von Graz-Süd und Messendorf haben ihn dort besucht und konnten ihn direkt in seinem Wirkungsfeld erleben. „Um wirklich den Armen nahe zu sein, muss man Freunde unter den Armen haben und das bedeutet, ihr Leben mit ihnen zu teilen“, hat der bekannte peruanische Befreiungstheologe Gustavo Gutiérrez einmal bekannt. 1997 kehrte Pater Alfred endgültig in die DSP zurück. Bis zu seinem Tod hat er seine Liebe und seinen Einsatz nun der Pastoral in seiner engeren Heimat Steiermark gewidmet.

Zahlreiche Freunde hat Pater Alfred in Messendorf und in Autal gewonnen. Neben seinen Aufgaben in der Hausgemeinschaft und in der Seelsorge hat sich Pater Alfred auch auf Provinzebene eingebracht: als Mitglied des Provinzrats und der Sekretariate für Evangelisierung und Verwaltung. Er hat sich immer wieder als gewissenhafter Hausökonom und als umsichtiger Hausoberer erwiesen. Vor allem aber war er mit Leib und Seele Seelsorger. Das können viele bestätigen, die ihn in Messendorf und in den letzten Jahren vor allem in Autal erleben durften. Dort war er zuletzt wirklich „zu Hause“. Dort wollte er auch zu Pfingsten noch einmal einen Gottesdienst feiern. Aber eine rapide fortschreitende Krebserkrankung hat ihm das nicht mehr erlaubt und Schritt für Schritt seine letzten Kräfte aufgezehrt.

Für jeden Menschen kommt jedoch einmal die Zeit, wo er nichts mehr leisten kann und nichts mehr leisten muss. Das anzunehmen fällt gerade oft sehr „leistungsorientierten“ Missionaren schwer und stellt deren Glauben auf eine letzte und harte Probe. Was „zählt“ dann noch, wenn man nichts mehr „machen“, leisten und schaffen kann? Dann brauchen wir nicht mehr für andere da sein. Dann sind andere für uns da.

Vor etwa einem Jahr erhielt Pater Alfred die Diagnose, dass er an einem sehr bösartigen Krebs erkrankt war. Anfangs keimte noch die Hoffnung auf, dass er es doch noch schaffen könnte. Doch seit einigen Monaten war klar, dass sein irdisches Leben bald zu Ende gehen würde. Er erlebte diese Zeit bewusst und gefasst, eingebettet in seine Hausgemeinschaft und liebevoll umsorgt und gepflegt von Menschen, die ihn bis zum Schluss begleiteten. Er war sehr froh und dankbar, dass er seine letzten Lebensmonate inmitten seiner Mitbrüder verbringen konnte, bei denen er sich wohlfühlte, und die ihm vertraut waren. Er starb am 9. September 2021.

Am 14. September haben ihm viele Menschen, mit denen er über Jahre als Seelsorger unterwegs war, in einem vom Diözesanbischof geleiteten Gottesdienst ihren Dank mit bewegenden Worten, Texten und Liedern ihren Dank ausgedrückt. Pater Alfred wurde im Familiengrab der Comboni-Missionare in Graz St. Peter beerdigt.

P. Reinhold Baumann, P. Franz Weber 

R.I.P.

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