geboren am 30.03.1940 in Milbes, Diözese Olmütz
Zeitliche Gelübde: 29.06.1961
Ewige Gelübde: 18.03.1967
verstorben am 07.01.2021
beigesetzt in Ellwangen

Über dem Leben von Bruder Rudolf Olbort liegt eine gewisse Tragik. Er war sechs oder sieben Jahre alt, als seine Familie aus dem kleinen Ort Milbes bei Olmütz in Tschechien vertrieben wurde, gerade in einem Alter, in dem die Kinder in die Schule kommen. Sein Heimatort wurde Teil eines Truppenübungsplatzes und dem Erdboden gleichgemacht. Neue Heimat wurde Göggingen bei Schwäbisch Gmünd.

Der Bub wollte Priester werden, aber so sehr er sich auch mühte, mit diesen schlechten Voraussetzungen konnte er am Gymnasium nicht mithalten. Pater Hermann Bauer, Leiter des Seminars Josefinum, riet ihm deshalb, Brudermissionar zu werden. „Schau mal Deine Hände an, die sind für etwas anderes besser zu gebrauchen“, meinte er. Rudolf hatte in der Tat auffallend kräftige Hände und Arme. So trat er als Postulant für Brudermissionare in Josefstal ein. Zunächst sagte er seinen Eltern nichts davon. Als ihn sein Vater dann einmal in Josefstal besuchte und ihn im Stall arbeiten sah, war er so entrüstet, dass er seinen Sohn gleich mit nach Hause nehmen wollte. Rudolf sagte zu ihm, dann warte er eben, bis er volljährig sei, dann aber gehe er. Da lenkte der Vater ein. Rudolf machte das Noviziat in Josefstal (1959–1961) und legte am 29.06.1961 die ersten Gelübde ab und am 18.03.1967 die ewigen.

Sein erster Arbeitsplatz war die Landwirtschaft in Josefstal, damals noch im alten, dunklen Gebäude. Das hatte einen Grund. Um damals in dem von der calvinistischen Burenpartei regierten Südafrika als katholische Missionare wirken zu können, hatten die Missionare Farmen erworben und darauf die Missionsstationen gegründet. Auf dem eigenen Farmgelände konnten Schulen errichtet, Kliniken eröffnet, Kirchen gebaut werden. Für diese Farmen brauchte man Arbeiter. Deshalb wurden viele Brudermissionare damals zu Landwirten ausgebildet. So machte auch Bruder Rudolf bald nach dem Noviziat 1961 im Benediktinerkloster Neresheim eine Ausbildung als Landwirt und schloss sie mit der Meisterprüfung ab. 1969 wurde er nach Südafrika gesandt. Doch bald änderte sich auch in Südafrika die wirtschaftliche und politische Situation. Die Farmen als ökonomische Grundlage der Mission verloren an Bedeutung. Bruder Rudolf bekam das zu spüren.

1975 wurde er wieder zurückgerufen und bildete fortan in Josefstal Lehrlinge aus, auch landwirtschaftlich orientierte, aber mehr und mehr auch solche in den anderen Berufen. Er ging auch hinaus in Pfarreien und predigte und hielt Vorträge. Im Archiv sind zahlreiche Predigten und Vorträge von ihm erhalten. Wer Bruder Rudolf erst seit den letzten dreißig Jahren kennt, wird ihn darin kaum wiedererkennen. Dass seine Fähigkeiten auch in der Kongregation beziehungsweise Provinz erkannt und geschätzt wurden, zeigt, dass er 1980 als erster Brudermissionar überhaupt in den Provinzrat gewählt wurde.

Mitten in diese Zeit hinein erlitt er im Oktober 1988 mit 48 Jahren einen schweren Schlaganfall. Er musste mühsam wieder wie ein Kind sprechen lernen, die Feinmotorik ging ihm abhanden. Nur mit Mühe konnte er ausdrücken, was er mitteilen wollte. Verständlich, dass er manchmal die Geduld verlor, mit seinem Schicksal haderte und so oft genug auch auf Unverständnis traf.

Zunächst ging er nach Mellatz und organisierte sich eine kleine Herde Schafe. Bei ihnen fühlte er sich in seinem Element. Außerdem verrichtete er viele unverzichtbare Dienste in und ums Haus, angefangen vom Schneeräumen bis zum Abspülen in der Küche. Aber er war längst nicht mehr der, der er einmal war. Das spürte er auch, und er litt darunter. Im Alter kamen dann weitere gesundheitliche Probleme dazu.

Im Oktober 2014 wechselte er mit einer kleinen Herde von Schafen nach Ellwangen. Diese blieben in einer Art kleinem Tierpark in Josefstal zusammen mit Auerochsen und Ziegen. Solang er irgendwie konnte, kümmerte er sich um sie. Er selbst wohnte in der Seniorenabteilung in Ellwangen, wo er sich mit anderen an Covid-19 infizierte und am 7. Januar 2021 starb.

Pater Reinhold Baumann

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