geboren am 06.01.1929 in St. Martin-Enneberg/ I
Zeitliche Gelübde: 09.09.1955
Ewige Gelübde: 09.09.1961
verstorben am 10.01.2021
beigesetzt in Guadalajara/Mexiko

Bruder Martin Ploner stammte aus dem Gadertal/Südtirol und gehörte damit zur dritten und kleinsten Südtiroler Volksgruppe, den Ladinern. Er wurde am 6. Januar 1929 in San Martin de Tor geboren, einem Dorf in der Mitte des Tales, umgeben von der herrlichen Dolomitenwelt.

Aufgewachsen und erzogen in einer tiefreligiösen Familie, hatte Martin wohl schon früh daran gedacht, sich ganz Gott im Ordensleben zu weihen. Ideale und Vorbilder in seiner Familie fehlten ihm nicht. Ein Bruder seiner Mutter war Chorherr im Kloster Neustift, und sein um ein Jahr jüngerer Bruder Angelo schloss sich 1946 als Bruder dem Franziskanerorden an.

Im Alter von 23 Jahren wurde Martin 1952 im Missionshaus Milland ins Postulat aufgenommen und begann die Ausbildung als Schreiner und Koch. Das Brüdernoviziat war damals in Josefstal. Am 9. September 1953 wurde er dort eingekleidet. Genau zwei Jahre später legte er seine ersten zeitlichen Gelübde ab. Am 9. September 1961 weihte er sich in Saldaña/Spanien endgültig Gott und der Mission.

Sein erster Bestimmungsort war das Seminar/Internat der Provinz in Bad Mergentheim. Seine Hauptaufgaben waren die Mitarbeit in der Hauswirtschaft und die Sammlung von Lebensmitteln für die rund dreißig Seminaristen in den Dörfern der Umgebung. Es war noch Nachkriegszeit, und die Pensionsbeiträge der Studenten hätten die Kosten des Hauses nicht gedeckt. Seine einfache Art und sein demütiges Auftreten kamen bei den Leuten gut an, und seine Kollekte war infolgedessen auch recht erfolgreich.

1960 hatte die MFSC-Kongregation am Stadtrand von Palencia eine große Landwirtschaft gekauft und noch im gleichen Jahr in Saldaña ein Knabenseminar gebaut. Die Landwirtschaft sollte zum Unterhalt des Seminars beitragen. Um diese zu bearbeiten, wurde ein Brüderteam beauftragt: Bruder Paul Zeller, Bruder Linus Mischi, Bruder Matthias Oberparleiter und Bruder Martin Ploner. „Die besten Brüder haben wir nach Spanien geschickt“, betonte der damalige Generalobere Pater Richard Lechner öfters. Die Gruppe kam am 25. Februar 1960 in Palencia an. Schnell mussten die Aufgaben verteilt werden. Bruder Martin übernahm die Küche und viele Hausarbeiten, bis dann später Personal von außen angestellt wurde. Anfangs musste er auch oft im Seminar von Saldaña nach dem Rechten sehen. Bruder Martin war stets bereit, überall mitzuarbeiten: auf dem Feld, im Stall, im Haus.

Nachdem 1970 die beiden Comboni-Kongregationen in Spanien die Wiedervereinigung vorausgenommen hatten, gab es bedeutende strukturelle Veränderungen in der neuen Provinz, zudem begann die Zahl der Studenten langsam zu schrumpfen. So verlor auch die Landwirtschaft immer mehr an Bedeutung. Einige Brüder wurden abgezogen, so dass die viele Arbeit in der Landwirtschaft und im Stall auf den zwei verbleibenden Brüdern Martin und Linus lastete. 1982 wurden auch sie in die DSP versetzt. Bruder Martin wurde der Hausgemeinschaft Mellatz als Gehilfe in der Landwirtschaft zugeteilt.

Bruder Martin hatte jedoch ganz andere Wünsche und Pläne. Er wollte in die Mission ziehen, und zwar nach Lateinamerika, da er ja die spanische Sprache sehr gut beherrschte. Die Oberen erfüllten seinen Wunsch und versetzen ihn nach Mexiko. Mexiko wurde nach dem Gadertal und Spanien seine dritte Heimat, in der er 37 Jahre seines langen Lebens als glücklicher und eifriger Brudermissionar arbeiten und leben durfte.

In Mexiko waren sein Dienst und seine Aufgaben als Missionsbruder ganz anderer Art. Er wurde zu den indigenen Gemeinschaften „Chinatecas“ in die bewaldeten Berge von Oaxaca geschickt. Er arbeitete als Baumeister und Zimmermann, übernahm aber gleichzeitig auch pastorale Dienste. Er gestaltete Wortgottesdienste, besuchte die Kranken und kümmerte sich um die Armen. Er war ein wahrer Apostel der Nächstenliebe für die Schwächsten.

Nach mehr als zehnjähriger Tätigkeit wurde Bruder Martin in das Seminar San Francisco del Rincón, Guanajuato, versetzt. Dort war er für die Instandhaltung des Gebäudes verantwortlich, arbeitete aber auch eifrig in der Pastoral mit. Er besuchte Gefangene, brachte den Kranken die Kommunion und hatte sein „ganz persönliches“ Apostolat aufgebaut, das nur im mexikanischen Kontext und insbesondere in San Francisco del Rincón möglich war. Es ist eine sehr katholische Stadt, deren Haupteinnahmequelle die Herstellung von Sportschuhen ist. Alle Fabriken begehen das Fest Unserer Lieben Frau von Guadalupe: ein feierlicher Gottesdienst findet statt, die Fabriken werden gesegnet, es gibt eine Party für alle Arbeiter mit einem vollen Mittagessen, mit Musik und Tanz. Das gleiche gilt für Weihnachten.

Dies war der Kontext. Und das war das Apostolat von Bruder Martin: Während der Woche besuchte er jeden Tag eine Fabrik. Nach seiner Ankunft gegen Mittag wurde die Arbeit eingestellt, und sowohl die Arbeiter – ob zwanzig oder dreißig oder mehr – als auch die Besitzer der Fabrik versammelten sich um ihn, um den Angelus zu beten. Bruder Martin betete mit ihnen, sagte ein paar Worte und segnete sie. Es war seine Art, die Arbeitswelt zu evangelisieren.

Bruder Martin war ein bescheidener, einfacher, froher, optimistischer, einfühlsamer und großzügiger Missionar. Er war ein wahrer Mann Gottes. Er widmete sein ganzes Leben dem Gebet, seiner Hausgemeinschaft und dem pastoralen Einsatz. In seinem Herzen war kein Platz mehr für irgendetwas anderes.

Als er erkrankte und nicht mehr arbeiten konnte, wurde er eine großartige geistliche Stütze für die mexikanischen Missionare, die außerhalb ihres Heimatlandes arbeiteten. Er unterstützte uns mit seinem Gebet. In den letzten Jahren seines Lebens schrieb er viele Briefe an die Missionare und betete für sie. Alle seine Briefe waren handgeschrieben und in wunderschöner Kalligraphie. Er hat den Computer nie benutzt. Als ich im Südsudan war, schrieb er mir ein paar Mal, und seine Botschaft war zweifach: Einerseits sprach er über die Art und Weise, wie er mit seiner Krankheit zurechtkam, andererseits drückte er seine Solidarität mit den Menschen aus, die unter dem Krieg litten und mit den Missionaren, die das Volk begleiteten.

Die Missionsarbeit und der Tod von Bruder Martin lässt sich so zusammenfassen: Wir haben einen großen Missionar auf Erden verloren, aber einen heiligen Missionar im Himmel gewonnen.

R.I.P.

Pater Fernando Mal GatKuoth

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