13. Februar 2026
In der trockenen, steinigen Landschaft im Nordosten Ugandas liegt Karamoja, eine Region voller Kontraste, in der Schönheit und Not nebeneinander existieren und aus Verletzlichkeit Widerstandskraft entsteht. Dies ist die Heimat der Karamojong, stolzer Viehzüchter mit einer reichen Kultur und einem tiefen spirituellen Durst.
Als Comboni-Missionar bin ich berufen, unter ihnen zu leben und ihnen zu dienen, ihre Kämpfe und Freuden zu teilen und Zeugnis abzulegen für die Hoffnung, die der Glaube an Christus bringt. Durch die Sakramente, die Seelsorge und meine einfache tägliche Präsenz versuche ich, die Liebe Christi zu verkörpern und auf kleine, aber echte Weise ein Missionar der Hoffnung zu sein. Meine Mission schöpft Kraft aus den Worten unseres Gründers, des heiligen Daniel Comboni, der davon träumte, „Afrika durch Afrikaner zu retten“, und aus der Mahnung des verstorbenen Papstes Franziskus, dass die Kirche immer vorangehen und die Freude des Evangeliums an die Peripherien tragen muss (Evangelii Gaudium, 20).
Karamoja wird oft als eine der am meisten vernachlässigten Regionen Ugandas beschrieben, geplagt von Dürren, Hunger, Viehdiebstahl und niedrigem Bildungsniveau. Doch inmitten dieser Not habe ich unglaubliche Menschenwürde und einen inspirierenden Glauben gefunden. Als ich zum ersten Mal hier ankam, war mir alles fremd: die Bräuche, die Sprache, das Land. Aber allmählich, als ich begann, die Menschen zu begleiten, ihren Geschichten zuzuhören, mit ihnen zu feiern und mit ihnen zu trauern, erkannte ich, wie das Evangelium auf verborgene und überraschende Weise lebendig ist. Hier wird der Glaube von Müttern getragen, die stundenlang zu Fuß gehen, um am Katechismusunterricht teilzunehmen, von Ältesten, die im Schatten der Bäume unterrichten, und von Kindern, die in der Messe mit purer Freude singen und tanzen. Hoffnung ist hier keine Theorie, sondern wird jeden Tag gelebt, geboren aus Leid, aber getragen von Gnade.
Meine Mission beruht nicht auf großen Projekten oder Veranstaltungen, vielmehr beruht sie auf Präsenz. Das ist es, was ich sein möchte: ein Zeuge. Unter den Menschen zu leben, ihre Speisen zu essen, ihre Sprache zu sprechen und ihre staubigen Wege zu gehen, wird zur Mission selbst. Selbst das Begleiten einer trauernden Familie oder der Besuch von Kranken an einem Donnerstag mit dem Allerheiligsten Sakrament wird zu einem Ausdruck des Evangeliums. Die Eucharistie unter einem Baum zu feiern oder mit den Jugendlichen während eines Fußballspiels zu lachen – diese gewöhnlichen Momente sind das wahre Wesen der Mission.
Die Jugendlichen in Karamoja stehen vor echten Schwierigkeiten: Arbeitslosigkeit, Alkoholismus, frühe Heirat und das Spannungsfeld zwischen traditionellen Werten und modernen Einflüssen. Viele fühlen sich unsichtbar, stimmlos und unsicher, welchen Platz sie in der Welt einnehmen. In meinem Dienst begleite ich sie durch Chöre, Sport, kleine christliche Gemeinschaften und Exerzitien, ich erinnere sie an ihren Wert und ihre Würde und ich fordere sie auf, an ihr Potenzial zu glauben und zu Akteuren positiver Veränderungen zu werden. Die Armut in Karamoja ist sowohl materieller als auch spiritueller Natur. Humanitäre Hilfe ist wichtig, aber noch wirkungsvoller ist das Zeugnis christlicher Liebe. Ich habe Familien gesehen, die Gaben in die Kirche gebracht haben, obwohl sie selbst kaum etwas zu essen hatten. Ich habe Dankgebete von Menschen gehört, die Hunger erlebt haben. Hier zeigt sich das Geheimnis der christlichen Hoffnung am deutlichsten: Sie schlägt Wurzeln in trockener Erde und trägt dennoch Früchte.
Die Eucharistie ist das Herzstück von allem. Ob sie in einer bescheidenen Kapelle oder unter einem Baum im Busch gefeiert wird, sie verbindet uns auf kraftvolle Weise. In jeder Messe versichere ich ihnen, dass Christus hier gegenwärtig ist, selbst im Leiden. Das gebrochene Brot und der ausgegossene Wein spiegeln das Leben eines Missionars wider: angeboten, geteilt und in Liebe geschenkt. Die Herausforderungen sind zahlreich: Gewalt, Nahrungsmittelknappheit, Kindersterblichkeit, kaputte Straßen und stagnierende Entwicklung. Diese Wunden können schwer zu ertragen sein. Doch sie reinigen uns auch und erinnern mich daran, dass es nicht unsere Aufgabe ist, nach weltlichen Maßstäben zu kontrollieren oder erfolgreich zu sein, sondern treu zu bleiben.
Obwohl ich gekommen bin, um das Evangelium zu bringen, bin ich selbst evangelisiert worden. Die Großzügigkeit, Freude und Widerstandsfähigkeit der Karamojong haben mein Herz verändert. Sie haben mich gelehrt, einfach zu leben, für kleine Dinge dankbar zu sein und auf Gottes Vorsehung zu vertrauen. Mission ist keine Einbahnstraße, sondern eine gemeinsame Reise.
Pater Inácio Manuel Mutatapuele, mccj