Liebe Freunde, Bekannte und Interessierte,

ich wünsche euch einen tollen Frühlingsanfang, denn der Frühling beginnt hier nun und wird groß gefeiert!

Aber Feste sind hier nicht wirklich selten. Der September ist der „Monat des Frühlings“ und damit verbunden auch der „Monat der Jugend“. Im Kindergarten wurde daher der „Tag der Talente“, „Tag des Frühlings“ und der „Tag des Schülers“ gefeiert. Fast eine ganze Woche nur Fiesta. Am „Tag der Talente“ haben die Kinder getanzt und gesungen. Der „Tag des Frühlings“ wurde gefeiert, indem die Kinder in selbstgebastelten Kostümen (aus Papier, Müllsäcken, alten Autoteilen, Flaschendeckeln, Stoff, …) eine kleine Modeshow aufgeführt haben. Der „Tag des Schülers“ wurde auch fiesta genannt und es wurden Spiele, wie Wettkrabbeln (für meine Gruppe, die Zweijährigen) und „Reise nach Jerusalem“ gespielt.

Außerdem ist auch „Monat der Sicherheit“ und so hatten die Eltern der Kinder Autos aus Karton gebastelt. Diese Autos konnten die Kinder tragen und sich damit selbst als Auto fühlen. An einem Tag kamen auch zwei Polizisten zu Besuch, verkleidet als Serafin Semáforo (Ampel) und als Polizistin. Dann mussten die Kinder mit ihren Autos anhalten, wenn die Polizistin das Zeichen gab und durften losgehen, wenn die Polizistin winkte. Es hat sehr viel Spaß gemacht.

Eine Sache im Kindergarten hat mich ziemlich traurig gemacht. Ein Junge hat sich am Kopf verletzt und ich habe ihn zur Posta gebracht, ein Behandlungszimmer auf dem Gelände des Kindergartens. Dort wurde er untersucht. Er hat die ganze Zeit geschluchzt „keine Nadeln!“ Die Kinder hier haben enorm Angst vor Spritzen, weil die Ärzte ihnen sehr häufig Injektionen geben. Der Arzt hat ihm dann einen Zettel gegeben, auf dem eine Creme notiert war. Ich habe diesen dann weiter an Pauli (auxiliar von 3A und eine Freundin) gegeben. Sie meinte, dass sie sich schäme, dies den Eltern zu sagen, weil diese sich die Creme kaum leisten können. Es waren 14 Soles, das sind 3,80 Euro. Das hat mich doch sehr getroffen.

Mit den Kindern gibt es auch immer wieder Missverständnisse. Zum Beispiel kommen die Kinder immer her und sagen „Quiero Cabeza!“ (quiero = ich will; cabeza = Kopf). Oder „rompe cabezas“ (romper = brechen). Da habe ich gleich mal einen großen Schreck bekommen, was denn passiert sein könnte. Hat sich ein Kind verletzt? Eine Wunde am Kopf? Aber nein: „rompecabezas“ heißt „Puzzle“ und „cabeza“ oder „cabezita“ ist dann die Abkürzung der Kinder! Na ja, jetzt weiß ich es. Neues Wort gelernt!

Das mit den Bussen ist ja ein bisschen kompliziert. Ganz am Anfang hat man mir gesagt, dass ich immer nach colegio „betoben“ fragen soll, wenn ich nach Hause will. Das sei ja sogar ein deutsches Wort! Aber „betoben“ deutsch? Ich kam wirklich nicht darauf, was das bitte bedeuten soll und dachte, „das kann gar kein Deutsch sein“. Bis mir eines Tages ein Deutscher sagte, dass das colegio „Beethoven“ heißt, und hier so ausgesprochen wird. Okay, das war dann klar. Dennoch muss ich „betoben“ sagen, sonst versteht hier niemand, wo ich hin will!

Jeden Samstagmorgen/-vormittag helfe ich zusammen mit einer Gruppe Jugendlichen bei der Zubereitung des Frühstücks für die ancianos (älteren Menschen). Es kommen immer etwa 40-60 ancianos. Auch hier wurde der Frühling gefeiert. Es gab eine Krönung zu „Miss primavera“ (= Frühling) und eine Modenshow. Außerdem wurde viel getanzt und eine Frau hat auch gesungen. Es war sehr lustig und die Gruppe der Jugendlichen hat mich sehr schnell und herzlich aufgenommen.

Durch einen Padre habe ich eine andere deutsche Freiwillige kennengelernt. Sie ist aus Berlin, war jetzt für vier Monate in Peru und geht jetzt aber wieder zurück. Sie hat aber an einem Sonntag noch „Water rafting“ organisiert – mit acht anderen Deutschen aus Arequipa. War mega lustig! Alle klitschnass geworden!

Alles Liebe, Lena

Den Brief mit Bildern können Sie auch auf dem MaZ-Blog nachlesen: www.cosamaz.org