Pater Bernhard Riegel: Es gilt zu entschleunigen

Liebe Freunde in Deutschland,

Jetzt bin ich schon über drei Wochen in Maria Trost. Die Zeit verging schnell. Von den vielen Eindrücken, die auf mich einstürmten, möchte ich einige erwähnen. Hier in Maria Trost sind wir zur Zeit vierMitbrüder: P. Rafael, ein Spanier, 52 Jahre, leitet das Pastorale Zentrum der Diözese, hält viele Kurse an Wochenenden und ist Pfarrer der beiden Gemeinden. Jedes Wochenende kommen andere Gruppen wie Diakone, Diakone in der Ausbildung, Katecheten für die verschiedenen Bereiche: Firmung, Erstkommunion, Taufvorbereitung, dann die verschiedenen Gruppen und kirchlichen wie St. Anne, Herz Jesu, Frauen und Männer und Jugendliche ins Pastorale Zentrum. Jetzt am Wochenende waren es junge katholische Erwachsene zwischen 25 und 40 Jahren. Etwa 80 sind aus der ganzen Diözese gekommen.

Br. Peter, 71 Jahre, ist seit drei Jahren hier in Maria Trost – er kam von Josefstal – und ist hier der Verwalter und der Hausmeister. Er hat alle Hände voll zu tun und hat so fast nebenbei das ganze Zentrum renoviert. Daneben schaut er auch nach der Küche und dass immer etwas zum Essen da ist. Br. Paul Felix, 52 Jahre, aus Portugal ist mit mir gekommen. Er soll dann den Dienst von Br. Peter weiterführen, wenn er im Sommer in Urlaub geht. Meine Aufgabe ist es momentan Gottesdienste in den beiden Gemeinden zu feiern, Beerdigungen zu halten, die Kranken sowohl daheim als auch im Krankenhaus zu besuchen und  bei vielen Treffen der verschiedenen Gruppen dabei zu sein. So komme ich langsam hinein in die Realität der Pfarreien.

Die Missionsstation Maria Trost liegt geographisch in der Mitte der Diözese und ist von den großen Städten wie Nelspruit, White River, Witbank und Middelburg 130 bis 200 km weg.  Wer es auf der Landkarte oder im Computer sucht: Lydenburg oder Mashishing – wie der einheimische Name lautet – liegt etwa 330 km östlich von Johannesburg und 150 km westlich vom Krugerpark, 1500 Meter über dem Meeresspiegel. Heute war ein sehr heißer Tag, wir hatten hier um die 30 Grad.

Mein erster Eindruck von Südafrika: Es geht hier alles viel langsamer als in Deutschland und ich muss mich immer wieder erinnern: Es gilt hier zu entschleunigen. Die Post braucht unheimlich lange.  Innerhalb einer Woche kamen Briefe durch die Post, die im Mai, im Juli, im August, im September und im Oktober sowohl aus Südafrika als auch aus Deutschland aufgegeben wurden. Jetzt sind auch schon einige Poststücke angekommen, die im Januar 2019 aufgegeben wurden.

Vor 15 Jahren haben Diebe begonnen die Telefonleitung, die von der Stadt zu uns auf die Mission führte, abzubauen und das Kupfer zu verkaufen. Telkom hat ein oder zweimal die Drähte erneuert, dann haben sie es aufgegeben. So haben wir keine Landlinie mehr fürs Telefon. Es geht alles übers Internet durch Skype oder aber mit Emails oder Handy – letzteres ist aber international sehr teuer. Heute Mittag waren wir vier Stunden ohne Strom. Bevor es dunkel wurde, kam der Strom wieder zurück. Es gibt Pläne, nach denen ein oder zweimal die Woche der Strom für zehn Stunden abgeschaltet werden soll, damit die nötigen Instandsetzungsarbeiten ausgeführt werden können. So merke ich auf Schritt und Tritt, dass ich nicht mehr in Deutschland bin. Wir haben hier auch unsere eigene Wasserversorgung. Letzte Woche wurde nochmals ein Bohrloch gebohrt und eine sehr ergiebige Quelle in siebzig Metern Tiefe gefunden. Das sollte für die Wasserversorgung für das Zentrum und unsere Gemeinschaft reichen.

In den ersten zwei Wochen habe ich P. Rafael an den Sonntagen begleitet. Am ersten Sonntag, dem 20. Januar, hat er mich und Br. Paul vorgestellt. Die Kirchen waren beides mal voll. Am zweiten Wochenende war ich dann der Hauptzelebrant und Prediger. Die Gottesdienste sind am Sonntag um 8 Uhr in Lydenburg/Stadt (St. Theresa) auf Englisch – ein richtiger katholischer Gottesdienst mit Menschen aus verschiedenen Ländern und Hautfarben. Um 10 Uhr in der Herz Jesu Kirche in Mashishing (Township) hauptsächlich auf Zulu. Die Sprachen machen mir Gott sei Dank keine großen Schwierigkeiten.

Es war schon arg trocken hier in Maria Trost und in der Umgebung. Beim Herfahren fiel uns auf, dass der Mais und die Sojabohnen sehr unter der Trockenheit gelitten haben und sich nicht recht entwickeln konnten. In den letzten zwei Wochen hat es hier sehr gut geregnet, vielleicht kann sich einiges noch erholen.

Die Arbeitslosenquote im Land liegt immer noch bei 40 %. Es dauert oft lange, bis Jugendliche nach ihrem Schulabschluss eine geregelte Arbeit finden.

Bei den Krankenbesuchen begleitet mich Frau Cäcilia Bhengu, die Tochter der früheren Katechistin. Sie ist pensionierte Lehrerin und tut sehr viel für die Kirche und die Gemeinde.

Maria Trost ist unsere älteste Missionsstation in Südafrika. Sie wurde 1924 von den Missionaren, die den Sudan verlassen mussten, gegründet. Es war eine blühende Missionsstation mit Internat für die höheren Schulen, einer Klinik und Möglichkeiten zu hauswirtschaftlichen Ausbildung bis die Politik der Apartheid in den 60iger Jahren durchgegriffen hat und immer mehr Menschen von den umliegenden Farmen in die Stadt umziehen mussten. Heute ist noch eine Grundschule da für etwa 450 Kinder.  Die meisten kommen jetzt von der Township einige von den umliegenden Farmen. Maria Trost liegt auf einer Farm, etwa zehn Kilometer von der Stadt entfernt. Zu unserer Kirche in der Township sind es gute vier Kilometer der Straße nach, der Fußweg ist etwa anderthalb Kilometer.

Kirchlich gesehen hat sich auch vieles geändert. Die vielen Fortbildungen habe ich schon erwähnt. Auch bei den die Finanzen der Pfarreien hat sich einiges getan. Die Diözesen haben alle Pfarreien gedrängt, finanziell unabhängig zu werden. So hat Pfarrei in Lydenburg regelmäßig Geld gesammelt, dem Pfarrer ein Auto zu stellen für seine Arbeit. So bekam ich vor zwei Wochen einen neuen Toyota Corolla zur Verfügung für die Arbeit in der Pfarrei. Die Leute sind stolz auf das, was sie fertig gebracht haben und zeigten sich interessiert am neuen Auto. Es wird auch deutlich,  dass die Gemeinden nicht mehr so arm sind wie sie es früher waren. Viele Kinder und Jugendliche konnten studieren und haben jetzt gute Arbeitsplätze bekommen. Neulich habe ich mit dem Kirchenpfleger gesprochen, er hat ein abgeschlossenes Ingenieurstudium und ist jetzt zuständig für den Betrieb der Lüftungen in den unterirdischen Minen in Steelpoort. Gestern hat ein pensionierter  Schulleiter beim Gottesdienst über „human trafficking“ – den modernen Menschenhandel gesprochen. Anlass war der Gedenktag der hl. Josefine Bakhita, die selber als Sklavin gefangen genommen wurde und öfters verkauft wurde. Sie hat das Schicksal solcher Menschen selber durchgemacht. Der pensionierte Rektor der Schule hat auf die Not solcher Menschen hingewiesen.

Unser Stundenplan ist sehr einfach: Werktags um 6.30 Uhr in der Frühe beten wir die Laudes und feiern dann die Hl. Messe. Danach Frühstück. Wer da ist, trifft sich um 10.00 Uhr bei Tee und Kaffee und einem kurzen Austausch.  Um 12.00 Uhr Mittagessen und um 15.00 Uhr wieder Kaffee oder Tee, um 17.30 Uhr Rosenkranz und Vesper-Gebet, anschließend Abendessen und eine gemütliche Runde zusammen. Das Essen ist sehr gut verträglich – es gibt immer auch Maisbrei dazu, den ich jetzt sehr gern esse; an Früchten gibt es zur Zeit hauptsächlich Mangos – bald werden die Pfirsiche und die Trauben reif sein.

Wie gesagt, wir haben keine telefonische  Landlinie hier. Auch die Post funktioniert nicht sonderlich gut, wie ich oben erwähnte.  Es ist deshalb das einfachste über Internet miteinander verbunden zu sein: über Skype,  das ist relativ billig. Oder die Mailadresse: bernhard.riegel@comboni.de oder bernhard.riegel@gmx.net. Das ist sicher und schnell.    – Trotzdem hier noch die Postadresse:

Fr. Bernhard Riegel
Catholic Mission Maria Trost
P. O. Box 146
Lydenburg 1120
Südafrika.

Mit diesen ersten Eindrücken von Südafrika und Maria Trost grüße ich Euch herzlich und wünsche Euch weiterhin alles Gute und Gottes Segen.

Pater Bernahrd Riegel

2019-02-27T11:03:52+00:00