Liebe Freunde,

Ich danke Euch für die vielen Weihnachtsmails und die anderen Grüße, die ich über’s ganze Jahr hindurch erhalten habe. Es hat mich sehr berührt, von Euch zu hören und, obwohl ich weit weg in Kenia lebe, an Eurem Leben irgendwie noch teilhaben zu dürfen. Im Rückblick auf das vergangene Jahr sehen wir oft erschütternde Bilder und Berichte, obwohl doch auch so viel Schönes passiert; z.B. sind viele Kinder in diesem Jahr in meinem Freundes- und Verwandtenkreis auf die Welt gekommen, und viele von Euch sind das erste Mal stolze Eltern und Großeltern geworden – Glückwunsch! Und das Wunderbare ist, dass ihr das auch an mich weitergegeben habt: Das ist WEIHNACHTEN! Eine Frohe Botschaft habe ich für Euch: „Ein Kind ist Euch geboren in Bethlehem“, sangen die Engel, es ist Gottes Geschenk an uns alle, ein Geschenk mit Potenzial.

Unsere Gemeinschaft in Kacheliba ist seit Anfang des letzten Jahres 2014 neu zusammen gestellt worden, und ich bin als „alter Hase“ allein zurückgeblieben. Theoretisch sind wir mit vier Priestern gut besetzt, aber im März ging P. Dino Rebellato (82 Jahre) auf Urlaub; von Juni bis Anfang September ging dann ich und als ich noch kaum zurückgekommen war, ging P. Eutiquio Mula für drei Monate bis Mitte Februar auf Heimaturlaub in die Philippinen. Zudem war P. Eutiquio (kurz „TQ“) oft wochenlang in Nairobi in der Verwaltung beschäftigt. Dieser ständige Wechsel ist natürlich nicht sehr hilfreich, eine strukturierte Arbeit in der Pfarrei aufzubauen. Trotzdem versuchen wir so oft wie möglich, unsere mehr als fünfzig Dörfer zu besuchen. Als ich Anfang Dezember in einem Dorf (Sawayan) auf Besuch war, erblickte dieses Kind das Licht der Welt und bevor ich am Morgen weiterfuhr, haben wir noch eine kleine Dank- und Segensfeier für das Kind gehalten. An Weihnachten habe ich dieses Jahr wieder sehr viele Kleinkinder getauft. Von der Heiligen Nacht bis zum Stefanstag am 26.12 waren es etwa 200 Kleinkinder; in den nächsten Wochen werden dann noch mehr als 100 dazu kommen. Die Kirche überall in Afrika ist sehr jung und so wimmelt es bei allen Festen nur so von Kindern und Jugendlichen.

Kirchliche Hochzeiten sind dagegen noch sehr selten. Wir hatten 2014 nur eine einzige Trauung, jetzt am 27. Dezember. Wie zur Zeit Jesu mit der Volkszählung des Augustus, so scheint es jetzt mit den Trauungen in Kenia zu gehen. Jedes Paar muss persönlich nach Eldoret fahren und damit acht Stunden Autofahrt auf sich nehmen, um sich staatlich registrieren zu lassen, um heiraten zu dürfen. Für viele unserer Leute aus dem „Busch“ wird das sehr schwierig, da viele noch nie weiter als Kitale (zwei Stunden von Kacheliba) gekommen sind. Andererseits gibt es natürlich nach wie vor traditionelle Heiraten, wobei die Mädchen sehr früh verheiratet werden, auch wenn der Staat offiziell harte Strafen angekündigt hat, wo Mädchen unter 18 Jahren verheiratet werden. Heute morgen hat mir noch jemand aus dem Dorf erzählt, wo ein Mädchen noch vor der Pubertät verheiratet worden ist. Nächste Woche werde ich mit den Katechisten darüber reden und planen, was wir tun können, da die Ortssprecher (Chiefs) oftmals nichts gegen diese traditionellen Praktiken tun.

Von Juni bis September war ich drei Monate auf Heimaturlaub, wo ich viele von Euch treffen und in etlichen Pfarreien etwas von unserer Arbeit hier in Kacheliba berichten konnte. Für die vielen herzlichen Begegnungen möchte ich mich hier sehr bedanken und mich entschuldigen bei denen, die ich leider nicht habe treffen können. Ich habe natürlich auch sehr die Zeit zu Hause bei meinen Eltern und Geschwistern genossen. In dieser Zeit durfte ich auch die Aussendungsfeier für zwei MaZler mitgestalten, Jonas Franz aus Celle bei Hannover und Johanna Weis aus der Nähe von Ellwangen. Beide MaZler sind nun bei mir in Kacheliba, engagiert mit den Jugendlichen und in zwei unserer Gymnasien: Jonas hilft mit im Buben Gymnasium Holy Cross Boys und Johanna bei den Mädchen in St. Bakhita, das wir erst Anfang 2014 aufgemacht haben. Während sie in den letzten Monaten nur hineingeschnuppert haben, werden sie nun im Januar mit Beginn des neuen Schuljahres voll gefordert sein. Johanna muss dann jeden Tag 5km mit dem Fahrrad zurücklegen, um in die Schule zu kommen. Zur Zeit wird dort ein Schlafsaal für die zweite Gymnasialklasse gebaut, die im Februar Einzug halten wird. Leider sind die Geldmittel vom Staat nicht sehr zuverlässig und so haben sie die Mission um Vorschub gebeten, um das Gebäude fertigzustellen. Daneben wird Johanna wahrscheinlich auch in der angrenzenden Mädchen-Grundschule mithelfen, wo es kaum Lehrkräfte gibt und wo wir gerade dabei sind, die Beleuchtung mit Batterie und Solaranlage zu installieren. Außerdem suchen wir gerade auch Geldmittel, um dort ein Dormitory (Schlafsaal) zu bauen, weil eine Mädchenschule ohne Internat hier nicht funktioniert.

Am 29. Dezember wurden auch die Hauptschulergebnisse veröffentlicht. Wie es scheint haben „unsere“ Schulen ganz gut abgeschlossen und so sind sehr viele Jugendliche im Februar in der ersten Klasse der Gymnasien zu erwarten. Leider verlassen andererseits noch etwa 33% der Schüler vorzeitig die Schule, bevor sie den Hauptschulabschluss machen, die meisten davon in der siebten Klasse. Wir setzen viel Energie ein, die Kinder in der Schule zu behalten und zu fördern. Mein Dank gilt hier vor allem Rosa Kainz aus Wien, die mit ihrem Förderkreis viele hundert SchülerInnen jedes Jahr unterstützt, und das schon seit 40 Jahren. Andererseits haben wir in der Pfarrei die PMC (Pontifical Missionary Children), eine Kinderorganisation, die viel Wert auf christliche Erziehung legt und Talente fördert. Das Fest der PMC ist Dreikönig und so werden wir am Samstag mit etwa 50 Kindern in der Nachbarpfarrei am Gottesdienst mit dem Bischof teilnehmen.

Seit einem Jahr fördern wir in besonderer Weise auch die Erwachsenenbildung. Schwester Georgina hat inzwischen vier Klassen, in denen Erwachsene Lesen und Schreiben lernen können und in unserem Landkreis wird unsere Einrichtung sogar als eines der zuverlässigsten Zentren angesehen. Außerdem bieten wir Schneiderkurse an und unterrichten Computerkurse. Etliche haben dieses Jahr abgeschlossen und gehen nun in das zweite Jahr. Für die Lehrer und Materialien brauchen wir etwa 1.000 Euro jedes Jahr aber dafür haben diese Schüler dann neue Chancen im Leben.

Auch die Pfarrei ist noch weit von selbstständig. Da wir viel Wert darauf legen, dass die Katecheten (Gemeindereferenten) und Wortgottesdienstleiter die Christen und Taufbewerber regelmäßig unterrichten, geben wir ihnen ein kleines Honorar, das die Pfarrei noch nicht selber bestreiten kann. Außerdem brauchen die Fahrzeuge viele Reparaturen und Service. So müssen wir jährlich noch etwa 8.000 Euro zuschießen, um die Minimalversorgung der Pfarrei sicherzustellen. Im kommenden Jahr wollen wir nun auch die seit Jahren nicht mehr renovierten Kapellen instand setzen, da die Termiten viele der Gebäude dem Einsturz nahe gebracht haben.

Viele ähnliche Dienste und Hilfsleistungen wären im letzten Jahr nicht möglich gewesen, wenn ihr Euch nicht so tatkräftig für unsere Mission eingesetzt hättet. Mission ist wie Weihnachten, wir bringen eine gute Nachricht für die, die nicht einmal mehr davon träumen, beschenkt zu werden. Gott ist für alle Mensch geworden und besonders für die, die von niemandem mehr etwas erwarten.

Vergelt’s Gott für jeden Einzelnen von Euch.

So wünsche ich Euch noch eine gesegnete Weihnachtszeit und ein gutes, erfüllendes Jahr 2015.

Euer P. Hubert Grabmann