Bruder Günther Nährich: Das Jahr im Krankenhaus von Matany

Liebe Verwandte, Freunde und Wohltäter,

[…] „Wenn ich die Augen fest zusammenkneife, dann kann ich deine Flügel sehen“. Im Film des schwedischen Autors und Regisseur Kay Pollak „Wie im Himmel“ sagt das die junge und lebenslustige Lena zu Daniel, in den sie sich verliebt hat. Sie will mit dieser äußerlichen Beobachtung ihr inneres Verhältnis zu diesem Mann ausdrücken: Du bist ein Engel für mich!

Einen Engel in den Menschen zu entdecken, die ich liebe – das scheint noch nichts Besonderes zu sein. Aber Lena geht noch weiter, denn sie sagt: „Diese Flügel kann ich schon bei einigen Leuten entdecken. Und wenn ich fleißig übe, kann ich sie irgendwann bei jedem sehen!“

In der Bibel sind Engel die Boten Gottes. Sie zeigen seine helfende und heilende Nähe an. Sie sind zuständig für die Dinge, die eben nicht einfach so auf der Hand liegen, sind Botschafter einer anderen, tieferen Wirklichkeit. Dass mir durch mein Gegenüber Gott nahe sein will, lässt sich tatsächlich nicht immer gleich beim ersten Blick erkennen. Um dies zu entdecken, muss ich mir Mühe geben. Ich muss hinter die Masken des anderen sehen, ich muss lernen, seine Stärken wertzuschätzen, muss mich geduldig auch auf seine Schwächen einlassen. Kurz: Ich muss wie Lena die Augen zusammenkneifen und ganz genau hinschauen.

Es ist wohl eine lebenslange Aufgabe, die Haltung eines „Engel-Entdeckers“ einzuüben. Aber es lohnt sich: wer sich die Mühe macht, wird nach und nach in einer Welt leben, die immer reicher wird an Engeln – und damit auch Gott immer näher kommen. Natürlich lassen sich so nicht alle Probleme lösen, die sich im Zusammenleben von Menschen ergeben. Es befreit einen nicht davon, sich mit dem anderen auseinander zu setzen, indem ich ihn einfach zum Engel erkläre. Aber es wird Folgen haben für den Umgang miteinander. In gegenseitiger Wertschätzung kann man auch mit Meinungsverschiedenheiten und Andersartigkeiten besser umgehen.

Seit meinem letzten Rundbrief im Sommer 2018 sind wieder einige Monate vergangen. Noch einmal musste ich nach Deutschland, wo mir im BWK Ulm das Metall in meinem Becken und im linken Schienbein entfernt wurde. Danach unternahm ich eine Rundreise zusammen mit Dr. John Bosco Nsubuga, unserem Chefarzt, den ich für 16 Tage nach Deutschland eingeladen hatte, als Dank und Ansporn für seinen wunderbaren Dienst im Matany Hospital insbesondere während meiner langen Abwesenheit letzten Jahres. Wir besuchten auch Dr. Emanuela in Mantova-Grazie. Sie zeigte uns die Marienwallfahrtskirche ihres Heimatdorfes. Sie erzählte uns, dass Menschen mit verschiedenen Krankheiten auf der Suche nach Heilung dorthin pilgern. Das empfinden wir auch, da viele unserer Patienten mit der Überzeugung nach Matany kommen, hier Heilung zu finden.

Im Oktober / November wurde eine Krebsvorsorgeuntersuchung durchgeführt, die von vielen angenommen wurde. Das war ein weiteres Zeichen, wie Matany den Betroffenen Hoffnung gibt.

Bei unseren Ziegen gab es Nachwuchs. Lotte gebar am 5. August das Böckchen Lorot und Fleck am 29. Oktober Finn, ebenfalls ein Böckchen. Die beiden sind putzmunter und gedeihen prächtig. Wir können bereits etwas Milch an die Unterernährtenstation liefern.

Im Oktober nahmen Dr. John Bosco und ich in Kampala an einem Workshop teil, an dem alle Vertreter der 32 katholischen Krankenhäuser dabei waren. Auch erhielten wir wieder unsere Akkreditierung. Mit 95,8%, also fünf Sternen der möglichen Bewertung, waren wir zusammen mit Angal und Nsambya Hospital punktgleich die Besten. Das war freilich sehr ermutigend und erfreulich. Das ist nur deshalb möglich, weil wir als Team im Krankenhaus gut zusammenarbeiten. …

Im November hatten wir Besuch vom Büro des „Prime Ministers“ (OPM) und vom Distrikt. Die Vertreter haben sich von den Renovierungsarbeiten an der Krankenpflegeschule überzeugt und waren davon sehr angetan. Auch haben sich zwei Krankenpflegeschüler/innen für die Teilfinanzierung der Schulgebühren bedankt. Fred hatte es sehr persönlich gemacht und mir wurde wieder bewusst, wie viel wir jungen Leuten bei der Ausbildung helfen, die sonst keine Möglichkeit hätten. Seine kurz geschilderte Lebensgeschichte, die ich bereits kannte, hat mich dennoch wieder sehr berührt. Jennifer war die zweite Sprecherin und erzählte, dass sie ohne die erste Förderung vom Krankenhaus und nun das letzte Jahr durch das OPM keine Möglichkeit gehabt hätte, die Ausbildung abzuschließen. Ausbildungsförderung ist uns am Krankenhaus sehr wichtig. Gute Krankenschwestern und andere Bedienstete schicken wir zur Weiterbildung. Derzeit sind zwei Ärzte zur Spezialisierung in Kampala. Einer wird Frauenarzt und der zweite Chirurg. Im November kam Dr. Paul, der mit seinem Facharzt zum Chirurgen fertig wurde, zurück.

Freilich haben wir Pläne für das neue Jahr. So steht die Renovierung der Bibliothek der Krankenpflegeschule an. Auch die Chirurgie und Innere Abteilung brauchen dringend einen neuen Anstrich.

Durch die Hilfe der Sternsinger aus Scheffau/Allgäu können wir uns ein zweites Gewächshaus anschaffen. Auch sind einige Anschaffungen notwendig, wie zum Beispiel Geräte für die Kinder- und Entbindungsstation, Einführung von orthopädischen Operationen,   eine neue Krankenhaus-waschmaschine, ein Verbrennungsofen für infektiöses Material und Plastik, ein weiterer Sterilisator für Instrumente, ein Allradfahrzeug für unseren Basisgesundheitsdienst, usw.

Wie Ihr seht, benötigen wir viele Schutzengel, die uns bei der Anschaffung der Geräte helfen, damit wir das Leben unserer Patienten besser schützen können. […]

Bruder Günther Nährich

2019-01-25T10:43:39+00:00