Die Comboni-Schwestern arbeiten seit 1966 in Bethanien. Das Haus liegt an der Grenze zu Ostjerusalem. Seit 2009 verläuft eine von den Israelis errichtete Mauer direkt an der Grenze des Grundstücks.

Daniel Comboni besuchte 1857 selbst das Heilige Land, bevor er seine Mission im Sudan begann. Die von ihm gegründete Gemeinschaft der Comboni-Schwestern hat eine Niederlassung in Bethanien, die 1966 eröffnet wurde. Das Haus liegt an der Grenze zu Ostjerusalem. Entlang der Grenze des Grundstücks verläuft eine Mauer, die 2009 von den Israelis errichtet wurde und das Dorf Bethanien/Al-Azarieh trennt – bekannt als Ort der Auferstehung des Lazarus. Das Anwesen der Schwestern befindet sich auf der israelischen Seite, während die Kirche und das Grab des Lazarus auf der palästinensischen Seite, auf der anderen Seite der Mauer, liegen.
„Uns war von Anfang an klar, dass unsere Präsenz in der Mitte seinen Preis hat. Es bedeutet oft, von beiden Seiten getroffen zu werden. Einerseits landen Steine und Molotowcocktails von den Palästinensern auf unserem Grundstück; auf der anderen Seite sind wir dem Rauch des Tränengases ausgesetzt, das als Reaktion von den Israelis kommt“, sagt Sr. Anna Maria Sgaramella, die sich im ökumenischen und interreligiösen Dialog engagiert.

Uns war von Anfang an klar, dass unsere Präsenz in der Mitte ihren Preis hat.
Anna Maria Sgaramella

Brücke in einem geteilten Land
Die fünf Ordensfrauen leiten das „Haus der Freundschaft“ als spirituelles Zentrum, zusammen mit einem Kindergarten für die arabischen Kinder der Umgebung. Im Mai 2011 hat die Gemeinschaft ihre Mission ins Dorf Al-Azarieh und in die Beduinendörfer der Judäischen Wüste östlich von Jerusalem ausgeweitet, um eine kleine Präsenz im palästinensischen Gebiet aufrechtzuerhalten. Zwei Schwestern wohnen in einer Wohnung jenseits der Mauer, eigentlich nur 30 Meter vom Haus der Comboni-Schwestern entfernt. „Aber jedes Mal, wenn wir unsere Mitschwestern besuchen, müssen wir 18 Kilometer zurücklegen und den israelischen Kontrollpunkt passieren“, sagt Sr. Cecilia Sierra, die aus Mexiko stammt. Die Schwestern orientieren sich am Leben Jesu, der die trennende Wand der Feindschaft niederreißen und beide Teile vereinigen kann. Die Schwestern hoffen, dass ihre Anwesenheit als „Brücke“ in einem geteilten Land den Menschen auf beiden Seiten Hoffnung auf Frieden schenkt.

Projekt „Threads of Peace“
Die Jahalin-Beduinen wurden 1948 aus der Negev-Wüste vertrieben und leben heute teilweise in der Judäischen Wüste. Durch die Initiative „Threads of Peace“ („Fäden des Friedens“) werden über 200 Frauen aus zwölf Beduinendörfern im Alter von 18 bis 80 Jahren unterstützt. Im Rahmen des Projekts wird eine Ausbildung in Stickerei und Nähen durchgeführt, wofür Sets mit Garn, Stoff, Nadeln und anderem Grundwerkzeug verteilt werden. Ein Set kostet etwa 50 Euro. Frauen übernehmen auf diese Weise oft die Rolle der Hauptverdienerinnen für die Familien, indem sie traditionelles Kunsthandwerk und Produkte wie Stickereien, Näharbeiten und Seifen herstellen können. Ältere Frauen vermitteln dabei kulturelles Wissen und traditionelle Fähigkeiten, während jüngere Frauen Selbstvertrauen, Kompetenz und Führungsqualitäten gewinnen.

Markus Körber