Höhen und Tiefen im Alltag

Hallo Ihr lieben in Deutschland,

heute ist der 19. Dezember, bei euch hat es sicherlich schon geschneit, ihr sitzt in der warmen Wohnung, bei Kerzenschein mit Lebkuchen, Weihnachtsplätzchen… und bereitet euch auf das Weihnachtsfest vor.

Und bei mir in Arua ist es so heiß – um die 35 Grad – unvorstellbar, oder? Aber hier ist im Moment Trockenzeit, seit Wochen regnet es nicht mehr und der Wind trocknet das Land aus.

Ich hoffe, dass es euch gut geht. Gleich zu Beginn möchte ich mich bei Euch allen für die lieben Mails, für die Briefe, für Eure Spenden und für die vielen Päckchen, mit Schokolade, Lebkuchen, Geschenke für die Kinder,…. bedanken. Vergelts Gott.

Es ist schön, wenn man weiß, dass meine Familie und meine Freunde an mich denken und sich freuen, wenn ich wieder zu Hause bin. Vielen Dank!

Mir gehts gut in Uganda. Ich fühle mich „aufgenommen“ und „aufgehoben“. Und so spüre ich, dass Vertrauen sich entwickelt. Nach der anfänglichen Euphorie in der neuen, freundlichen Umgebung, die mir das Einleben relativ leicht gemacht hat, ist der Alltag nun da.

Der Alltag mit seinen Höhen und Tiefen. Es ist nicht immer so einfach, die ganzen Schicksalschläge zu verarbeiten. Kinder, junge Menschen,.. sterben an Malaria, Herzversagen,….. Aber jeden Tag kommen viele Neugeborene auf die Welt. Tod und Geburt sind in Afrika sehr präsent.

Ich bewundere die vielen Mütter. Sie arbeiten schwer am Feld, tragen Nahrungsmittel wie Bananen, Kartoffeln, Mais, Süßkartoffeln,… auf dem Kopf. Auf dem Rücken ein Kind gebunden, im Bauch ein Baby, und daneben scharen sich die anderen 5 oder mehr. Sie strahlen soviel Liebe, Mut und Zuversicht aus. Sie freuen sich, wenn man sie grüßt und sie sind zufrieden mit ihrer bescheidenen, einfachen Welt.

Ja, nun zu meinem Alltag in Arua: In der Krankenstation habe ich mich gut eingelebt. Das Impfen der Kinder klappt jetzt ganz gut und meine Sprachkenntnisse in „Lugbara“ verbessern sich so langsam. Donnerstag und Freitags arbeite ich im Kindergarten in „Adalafu“. Adalafu ist am anderen Ende der Stadt, so dass ich immer mit dem Fahrrad hinfahre. Bin so eine Stunde hin- und zurück unterwegs. In der Nursery-School sind 90 Kinder, die von 4 „Teachern“ unterrichtet werden. Die Schüler sind zwischen 3 und 6 Jahren. Es gibt eine „Top-Class“, eine „Middle-Class“ und für die Jüngsten die „Baby-Class“. Ich unterrichte in der Top-Class, und mein Schwerpunkt ist die religiöse Erziehung. Ich lese den Kindern aus der Bibel vor – teils in Englisch, aber auch in Lugbara.

Derzeit sind jedoch große Ferien. (Von Dezember bis Mitte Februar) Und wir hatten am 28. November „Graduation“, d.h. die Kinder aus der Top-Class wurden mit einem großen Fest verabschiedet, da sie im neuen Schuljahr in die Primary-School wechseln. Wir fuhren alle gemeinsam mit einem kleinen Laster zum nächstliegendem Dorf und von dort gingen wir zurück zur Schule. Stolz marschierten die Kinder in ihrer Uniform mit Marschmusik die Straße entlang. Im Kindergarten gab es dann zu Essen und es wurde ausgiebig gefeiert. Ich freue mich schon, alle Kinder wieder im Februar zu sehen, aber bis dahin arbeite ich von Montags bis Freitags im Health-Center.

Sonntags nachmittags treffe mich mit den jugendlichen aus der Pfarrei. Mit einem Teil der Spenden habe ich Bibeln und Bälle gekauft. Vergelts Gott. Die jungen Menschen zeigen sehr großes Interesse und diskutieren Themen wie Arbeitslosigkeit.

In Arua leben 50% Christen und 50% Moslime, sodass ein harmonisches und friedliches Zusammenleben von großer Bedeutung ist. Demnächst möchten wir gerne muslimische Jugendliche einladen. Wir wollen über den Glauben sprechen und Erfahrungen austauschen.

In meiner Freizeit treffe ich mich gerne mit meinen Freunden, entweder zu Hause oder wir gehen auf ein „Soda“ in die Stadt.

Mittwochs nach der Arbeit habe ich „Bibelstunde“. Frauen aus USA, Kanada, England, Spanien, Italien und auch Deutschland, die ebenso missionarisch tätig sind und alleine oder mit ihrer Familie in Arua leben, tauschen sich über ihre Arbeit aus, wir lesen in der Bibel,… und so habe ich auch mal wieder die Gelegenheit Deutsch zu sprechen!!!!!!! Das tut vielleicht gut. Freitags gehe ich dann zur Chorprobe, denn seit kurzem singe ich im „Melodie-Chor“. Es werden Songs in Englisch, Lugbara und auch Weihnachtslieder in Französisch gesungen.

Jedes Jahr am 09. Dezember zum Fest der „Unbefleckten Empfaengnis“ pilgern ca. 2000 Leute zur Basilika nach Lodonga, dass 80 km von Arua entfernt ist. Lodonga ist ein großer Wallfahrtsort in Uganda. Die Menschen sind 2 Tage zu Fuß unterwegs. Die Atmosphäre erinnerte mich an unsere Wallfahrt nach Altötting. Nur, dass die Menschen hier keine Turn- oder Wanderschuhe besitzen, keine Sanitäter die Blasen aufstechen, Tee bringen… und sie werden nicht so herzlich wie wir am Abend in unseren Quartieren empfangen.

Ja, man lernt die Kleinigkeiten schätzen. Man wird zufriedener und dankbarer.

Die Adventszeit verbringe ich heuer ohne großen Stress. Letzte Woche war ich für ein paar Tage in Kampala und anschließend besuchte ich die Comboni-Brüder in Angal.

Gerade komme ich von Moyo. Moyo liegt nördlich von Arua, ist ca. 150 km entfernt und grenzt an den Sudan. Ich besuchte die Combonis und das Moyo-Baby-Haus. Babys und Kleinkinder, die keine Eltern mehr haben, leben hier zusammen. Ja, es war für mich eine sehr intensive Erfahrung, die ich machen durfte.

Dieses Jahr keine Hektik mit Adventskalender basteln, Weihnachtsplätzchen backen, Weihnachtsgeschenke kaufen,….Natürlich vermisse ich die Weihnachtsstimmung zu Hause, vor allem meine Familie, aber diese Adventszeit ist eine Zeit, die ich für mich nutzen darf und das tut so gut.

Letzte Woche habe ich das Buch von unserem Bischof Ludwig Schick „….und ist Mensch geworden“ gelesen. Zu Hause, in der Adventszeit habe ich meist keine Zeit dafür.

In der Kirche ist nun die Farbe „violett“ dominierend und man konzentriert sich auf das Wesentliche. (Den Adventskranz gibt es nicht.)

Wie ich in meiner letzten Mail schon berichtete, spüre ich sehr bewusst, wie die Menschen auf IHN – auf unseren Retter warten, ohne Weihnachtstrubel und -feiern.

Meine Familie, gerade die kleine Helena, vermisse ich sehr. Ich würde sie gerne in den Arm nehmen und sie spüren, aber da muss ich mich noch etwas gedulden. Mein Platz ist im Moment hier in Arua, die Menschen brauchen mich und ich habe gute Freunde. Ich weiß, dass mein Papi nicht von mir weicht und mich beschützt.

Gerade in der Vorweihnachtszeit schwappen Erinnerungen an die Familie hoch. Mann kann sie nicht vermeiden. Wichtig, denke ich ist, zu den Gefühlen zu stehen: Das Glücklichsein darf sein, aber auch einmal die Traurigkeit darf sein. Es hilft sehr, wenn man aneinander denkt, wenn man für andere da ist, füreinander betet, sich gegenseitig stützt und sich einfühlt in andere. Es gibt viele wunderbare Kleinigkeiten um uns herum, und ich darf das hier in Arua täglich erleben: Die vielen lachenden Kindergesichter, die sich freuen, wenn man ihnen einen Ballon schenkt, die Herzlichkeit und Aufgeschlossenheit der Menschen, die wunderschöne Natur,…. und die kleinen Gesten. Ich danke Gott sehr dafür, dass diese Menschen um mich herum sind, und ich jeden Tag mit ihnen verbringen darf.

Zum Schluss meiner Rundmail möchte ich euch noch ein Zitat aus dem Buch unseres Bischofs mitgeben und zwar: „An Weihnachten scheint alles darauf abzuzielen, uns die Begegnung mit Jesus verwehren zu wollen. An den Festtagen gibt es tausende Angebote als Ersatz für das christliche Weihnachten: Theater, Diskos, Urlaub im Süden,…. Jesus Christus, der Glaube an ihn, das Leben nach ihm, die Freude aus ihm ersterben nicht deshalb in vielen, weil Christus tot ist, sondern weil der Glaube an ihn abgestorben ist. Das Herz vieler ist besetzt. Lassen wir jedoch die Stille, die Besinnlichkeit, die Worte des Weihnachtsevangelium,… an uns heran. Beschäftigen wir uns damit, dann wird auch in uns und in vielen Menschen Jesus Christus wieder erweckt und zu eifrigem Gedenken eingeprägt. Wir haben dann erfahren, dass die Gnade Gottes wirklich erschienen ist in Jesus von Nazareth. Mit dem Kind von Bethlehem leben wir als neue Menschen.“

So, nun wünsche ich euch von ganzem Herzen ein friedvolles und gesegnetes Weihnachtsfest. Nehmt euch Zeit füreinander und lasst den Stress hinter euch.

Für das kommende Jahr alles Liebe, Gute, viel Gesundheit und Gottes reichen Segen. Bleibt vor allem gesund und ich möchte euch diese Herzlichkeit, Offenheit, Warmherzigkeit, Gastfreundschaft, nach Deutschland pünktlich zum Weihnachtsfest schicken.

Eure Steffi aus Arua

Zu Beginn des neuen Jahres werde ich für 2 Wochen zum Zwischenseminar nach Nairobi fahren, so dass ich mich Ende Januar wieder bei euch melde. Mit genaueren Infos über mein Weihnachtsfest in Arua.

Und nochmals „Vergelts Gott“ für alles.

Stefanie Schwemmer

2017-01-11T12:53:39+00:00