Lade Veranstaltungen

Schlossmuseum Ellwangen
Dienstag, 12. Mai 2026
17:00 Uhr Mut gegen den Wahn: von Ellwangen bis Papua-Neuguinea

Die Geschichte Ellwangens steht exemplarisch für ein düsteres Kapitel europäischer Vergangenheit: Im Kontext religiöser Deutungssysteme, rechtlicher Legitimation und sozialer Spannungen kulminierten zwischen 1560 und 1650 wiederkehrende Verfolgungswellen. Allein in den Jahren 1588 sowie 1611 bis 1618 wurden rund 450 Menschen im Rahmen von Hexenprozessen verurteilt und hingerichtet. Unter Folter erzwungene Geständnisse erzeugten ein selbstreferenzielles System der Anschuldigung, das sich immer weiter reproduzierte und von Angst, institutioneller Macht und kollektivem Druck getragen wurde.

Auch die Gegenwart kennt vergleichbare Muster. In Papua-Neuguinea führt der Glaube an sogenannte „Sanguma“ bis heute zu Gewaltakten gegen vermeintliche Hexen. Die Fallstudie Christina, herausgegeben von missio – Internationales Katholisches Missionswerk e.V., verdeutlicht dies eindringlich: Ausgehend von Krankheit, Tod und wirtschaftlicher Not verdichten sich Gerüchte, Neid und familiäre Konflikte zu Anschuldigungen. Die daraus resultierende Gewalt wird sozial toleriert oder bleibt straflos. Besonders Frauen geraten in den Fokus und werden strukturell benachteiligt und bleiben schutzlos.

Die Veranstaltung möchte historische Reflexion und gegenwartsbezogene Analyse in einen dialogischen Zusammenhang bringen.

Im Zentrum steht die Begegnung mit Schwester Lorena Jenal, Menschenrechtspreisträgerin der Stadt Weimar. Sie setzt sich seit über 40 Jahre in Papua-Neuguinea für die Rechte und den Schutz Betroffener.

Durch die Verbindung von historischer Kontextualisierung, empirischer Fallanalyse, persönlichem Zeugnis und moderierter Diskussion wird sichtbar, dass Hexenverfolgung nicht als isoliertes Phänomen verstanden werden kann. Vielmehr handelt es sich um ein komplexes Zusammenspiel aus Angstbewältigung, sozialer Ordnungssuche und Machtstrukturen.

Programm

  • Ankommen und Begrüßung
  • Vortrag von Schwester Lorena: Sanguma-Glaube, soziale Konflikte, geschlechtsspezifische Dimensionen in Papua-Neuguinea
  • Historische Einführung Ellwangen: Hexenprozesse im Spannungsfeld von Religion, Recht und Gesellschaft
  • Besuch der Ausstellungen im Schlossmuseum
  • Moderiertes Gespräch mit vergleichende Perspektiven: Ellwangen und Papua-Neuguinea
  • Offene Fragerunde und Diskussion

Diese Veranstaltung versteht sich nicht nur als Rückblick, sondern als kritische Gegenwartsanalyse.

Sie fragt nach den Bedingungen, unter denen Gesellschaften Schuld konstruieren, Gewalt legitimieren und Verantwortung verschieben.

Mut gegen den Wahn bedeutet, diese Mechanismen zu erkennen und ihnen bewusst entgegenzutreten – auch in unserer Gesellschaft.

Eine Kooperation von: missio-Regionalstelle Südwest/ missio-Aachen, Geschichts- und Altertumsverein Ellwangen e.V., Katholische Erwachsenenbildung Ostalbkreis, Comboni-Missionare (Ellwangen)