Comboni-Missionsschwestern in Berlin

Nah bei den Menschen

Anschrift

Sr. Mabel Mariotti
c/o: SOLWODI
Kranoldstr. 24
12051 Berlin
Deutschland
Tel.: (0049) 30 81001170
E-Mail:mariottibeatrice@hotmail.com

Comboni-Schwestern in Berlin

Schwester Beatrice („Mabel“) Mariotti

Schwester Mabel Mariotti aus Mailand/Italien ist seit 1990 Mitglied der Comboni-Missionsschwestern. Von 1993 bis 1998 war sie in den USA, wo sie Psychologie und Theologie studiert und sich besonders mit Counselling befasst hat. Auch während ihrer sieben Jahre in Dubai (1998-2005), sowohl als Lehrerin, als auch als Schulleiterin, hat sie als Counselor gearbeitet und sich gleichzeitig für den interreligiösen Dialog interessiert. So hat Schwester Mabel 2001 ihren Master-Titel in Islamwissenschaften erworben. Ende 2005 kam sie für eine Sabbatzeit nach Rom. Seit 2006 lebt sie nun in Berlin.

Geschichte der Niederlassung

Schwester Margit Forster stellt im Folgenden dar, was es mit dem Projekt der CMS in Berlin auf sich hat:

 „Durch die Straßenexerzitien kam ich 2006 mit meiner Mitschwester Beatrice „Mabel“ Mariotti nach Berlin … und wir sind geblieben. Nach Jahren in Afrika, Amerika, dem Mittleren Osten und Italien hat uns die Hauptstadt des Missionslands Deutschland in seinen Bann gezogen. Hier haben wir, wie Moses, die Einladung gespürt, unsere Sandalen auszuziehen… Acht Monate haben wir in der Gemeinschaft der Jesuiten in Kreuzberg verbracht, die P. Christian Herwartz vor fast vierzig Jahren ins Leben gerufen hat. Er inspirierte uns mit seiner Gastfreundschaft für alle, die an seine Tür klopfen: Obdachlose, Strafentlassene, Menschen ohne Arbeit, ohne Aufenthaltsgenehmigung oder – wie auch wir – auf der Suche nach Neu-Orientierung, nach Kontakt mit dem einfachen Leben. So haben wir durch ein Loslassen in ein einfaches Leben in der Gegenwart immer mehr ein Gespür dafür bekommen, wo Leben ist oder was uns lebendig macht und haben Schritt für Schritt eben auf diese leisen Zeichen gehört.

Daraus ist unser Engagement mit SOLWODI geworden – Solidarity with women in distress (Solidarität mit Frauen in Not), einer Hilfsorganisation, die sich hauptsächlich um Migrantinnen und geflüchtete Frauen kümmert, die von Menschenhandel, Zwangsprostitution oder anderen Formen von Gewalt und Ausbeutung betroffen sind. In einer Begegnung mit Sr. Lea Ackermann, die SOLWODI vor über dreißig Jahren in Kenia und dann auch in Deutschland gegründet hat, hat sie uns eingeladen in Berlin eine Beratungsstelle aufzubauen. Mittlerweile hat SOLWODI achtzehn Beratungsstellen und acht Schutzwohnungen in Deutschland.

Nach einem Praktikum in verschiedenen Beratungsstellen und Schutzwohnungen von SOLWODI machten wir uns in Berlin an die Arbeit und im April 2008 war die offizielle Eröffnung unserer Beratungsstelle in den Räumlichkeiten der Marienschwestern in Lankwitz. 2013 sind wir durch die Unterstützung der katholischen Kirche Nord-Neukölln und dem Erzbistum Berlin nach Neukölln, einem der größten sozialen Brennpunkte Berlins, umgezogen. Unsere Schwerpunkte – Afrika und Betroffene von Menschenhandel – bleiben bestehen, aber die Arbeit hat im Laufe der Jahre zugenommen. Unser Team besteht nun aus uns mir und zwei engagierten Sozialarbeiterinnen.

In der Begegnung mit den vielen Frauen und deren Kinder, die unsere Beratungsstelle besuchen und unser Leben bereichern, erleben wir täglich neu die Herausforderung und das Geschenk unseres Charismas. Als Erbinnen Daniel Combonis, der gerade in Afrika ein bedeutender Vorkämpfer für Menschenwürde und gegen Sklavenhandel und Ausgrenzung war, leben wir  in der Solidarität mit Ausgegrenzten und Benachteiligten hier in der Bundeshauptstadt, der Stadt der Vielfalt und der (gefallenen) Mauer, unsere Berufung.

Wir freuen uns, dass unsere Arbeit auch durch die finanzielle Unterstützung des Berliner Senats sowie von kirchlicher Seite u.a. durch das Bonifatiuswerk gewürdigt wird und dass sich auch immer wieder Menschen finden, die uns mit Spenden und ehrenamtlichem Engagement unterstützen, denn darauf sind wir nach wie vor angewiesen.“

Abschied von Schwester Margit Forster

Schwester Margit Forster ist am 9. April 2020 verstorben. In einem persönlichen Nachruf erinnert sich ihre Mitschwester Beatrice „Mabel“ Mariotti:

Margit war einfach wunderbar…

Sie ist gestorben, wie sie gelebt hat, und zwar mit voller Hingabe im Jetzt, und im Vertrauen auf Gott und das Leben, das für sie ein Synonym für Gott war. „Einfach Leben“ war ihr Motto.

Gestern habe ich einen Brief von einem Freund erhalten, Michael, der den Übergang von Margit so gut mit diesem Bild beschreibt: „Letzten Sommer bin ich einmal weit ins Meer hinausgeschwommen. Umgeben von undenklicher Weite ging es immer weiter hinaus in den Horizont, wo sich Himmel und Meer verbinden. Dabei hatte ich keinen Moment das Bedürfnis, zurück zu sehen. Da war nur Weite und diesen Weg nach vorne“.

Margit war eine sehr intelligente, ausgeglichene, demütige Person voller Lebenskraft, Weisheit, Humor und …sie war einfach echt. Sie war sie selbst! Ob sie mit Politiker*innen, Würdenträger*innen, Kolleg*innen, Freund*innen, Schwestern, Priestern, Familie oder anderen war, habe ich sie immer bewundert, weil Margit nie konventionell war, nie verstellt, nie was anders als sie selbst. Und das war ihr größter Beitrag im Leben der Menschen, mit denen sie in Kontakt kam, im Orden, in der Kirche und in der Welt. Diese Authentizität hat auch gestört, weil die Wahrheit und die Freiheit oft einen teuren Preis haben. Die Menschen aber, die mit ihr gelebt haben im Alltag, die Freund*innen, die Kolleginnen, die afrikanischen Frauen, denen sie ihr ganzes Leben gewidmet hat, haben das gesehen, geschätzt und fühlten sich besser, nachdem sie mit ihr waren. Das war und ist ihr größtes Geschenk: Menschen zuzuhören, zu ermutigen, zu unterstützen, zu fördern, die Schönheit in ihnen zu entdecken und zu benennen, mit großem Respekt für die unterschiedlichen Wege ihres Lebens. Diese Menschen hat sie gewürdigt und am Ende war Margit nur Liebe. Sie ist geworden, wonach sie immer gesehnt hat: ewiges Leben, ewige Liebe. Und ich habe das größte Glück gehabt 14 Jahre mit ihr in Berlin zu leben, die Mission Gottes mit ihr zu teilen, eine Suchende an ihrer Seite zu werden.

Am Ende seines Briefes schreibt Michael: „Denkt man an das Sterben, kommen einem leicht Gedanken an das, was man alles zurücklassen muss. Es könnte aber auch ganz anders sein – ein glückliches Vorwärts. Worin man nichts vermisst und einfach ins ununterschiedene „Himmelsmeer“ eingeht. Margit ist es so gegangen, als sie am 09.04.2020 uns verlassen hat. Es war einfach ein Übergang vom Leben zum Leben. Jetzt haben wir eine Fürsprecherin im „Himmelsmeer“, die uns ermutigt zu sein und zu werden, wer wir wirklich sind.

Mabel Mariotti, cms

„Wir müssen einzig und allein auf Gott und seine Gnade vertrauen. Wer auf sich selbst vertraut, vertraut auf den größten Esel der Welt.“

Daniel Comboni (LA 216)