Wenn Menschen Kreuze tragen

Über die Kar- und Ostertage fand das dritte Vorbereitungsseminar „Globale Strukturen und Kartage“ für die Missionarinnen und Missionare auf Zeit (MaZ) in Mellatz statt. Im Rahmen dieses Mottos begingen wir nicht nur gemeinsam die Kartage, sondern setzten diese auch in den globalen Kontext. In verschiedenen Gruppen gestalteten wir zum Beispiel die einzelnen Stationen des Leidenswegs Jesu und verknüpften diese mit den Problemen in verschiedenen Teilen der Erde. Der Kreuzweg wurde dadurch sehr persönlich und regte uns alle zum Nachdenken und Innehalten an angesichts der Kreuze, die Menschen auf der ganzen Welt tragen müssen. Unsere eigenen Anliegen konnten wir auch formulieren.

Darüber hinaus lernten wir in verschiedenen Rollen- und Simulationsspielen die Entstehung der heutigen Macht- und Finanzstrukturen kennen. Uns wurde klar, dass wir alle Teil dieser Strukturen sind, die andere Menschen ausbeuten, unterdrücken und leiden lassen. Diese Erkenntnis war schmerzhaft, regte uns aber auch zum Nachdenken und zur Diskussion über die Veränderungs- und Handlungsmöglichkeiten jedes einzelnen an – denn jeder von uns kann dazu beitragen, dass Menschen weltweit weniger Kreuze tragen müssen. Als Konsumenten beispielsweise haben wir die Macht zu entscheiden, ob wir ein konventionelles Produkt oder ein fair gehandeltes Produkt kaufen. Immer wieder entstanden Diskussionen, während der Mahlzeiten oder auch spät am Abend – ein deutliches Zeichen, dass uns die Situation in der Welt nicht unberührt lässt.

Persönlich wurde es dann auch in zwei Erfahrungsberichten von Pater Günther Hofmann (Comboni-Missionar) über seine Erfahrungen in Südafrika und von Schwester Waltraud Mahle (Salvatorianerin) über ihre Erlebnisse in Israel. Sie zeigten uns, mit welchen Herausforderungen Menschen in diesen Ländern zu kämpfen haben, wie sie ihr Leben unter schwierigen Bedingungen meistern und ihren Glauben dabei nicht verlieren, sondern ihn als wichtige Stütze sehen.

Dieses Jahr waren wir nicht im Missionshaus untergebracht, sondern im Bauernhaus auf dem Gelände, einem Selbstversorgerhaus. So mussten wir nicht nur die Mahlzeiten selbst zubereiten und herrichten sowie abspülen und sauber machen, sondern wir mussten auch für die nötige Wärme sorgen, mittels zweier Holzöfen. Teamarbeit war gefragt – was für uns kein Problem war, denn bereits nach kurzer Zeit waren wir ein eingespieltes Team und wuchsen dadurch noch mehr zusammen.

Brigitte Rolfes

2017-04-19T12:55:43+00:00