(Platzhalter) Sr. Assunta Arraghie
Maria Schneider P. Herbert Gimpl
Logo der Comboni-Missionare der DSP Christine Hügler
Jugendliche aus Kibremengist/Äthiopien Katechist aus Afrika
Frau aus Kibremengist/Äthiopien Mädchen aus Piura/Peru
Albert Klingler Mädchen aus Tabankulu (Südafrika)
(Platzhalter) Indigena-Frau

Die Lage der Kirche im deutschsprachigen Raum –
und unsere Präsenz als Comboni-Missionare

Die katholische Kirche kann sich im deutschen Sprachraum auf eine lange Tradition berufen. Sie hat hier „Geschichte gemacht“, Gesellschaft, Kultur, Sprache, Kunst und Wertvorstellungen geprägt und mit den anderen Kirchen ein christliches Erbe geschaffen, das im Bewusstsein ölkerung – oft nur noch unbewusst – nachwirkt.

Rückgang der religiös-kirchlichen Praxis und der gesellschaftlichen Präsenz und Glaubwürdigkeit der Kirche

Die Kirche besitzt zwar nach wie vor einen nicht zu übersehenden Einfluss in der Öffentlichkeit und ist in den Grundfragen menschlicher Existenz und gesellschaftlichen Zusammenlebens vielleicht sogar wieder neu gefragt, auch wenn sie vor allem medial kritisiert wird. In den letzten Jahrzehnten ist jedoch nicht nur in urbanen Bereichen, sondern weithin auch in ländlichen Regionen unübersehbar ein deutlicher Rückgang traditioneller Kirchlichkeit festzustellen. Er äußert sich in einem stark zurückgehenden Gottesdienstbesuch, in vielerorts noch immer steigenden Kirchenaustritten, in einem weit verbreiteten Mangel an Glaubenswissen und Kirchenbewusstsein und in abnehmender Verwirklichung christlicher Werte.

Die katholische Kirche ist nach jüngsten religionssoziologischen Untersuchungen nur mehr in einigen wenigen gesellschaftlichen Milieus wirklich präsent und wird von vielen Menschen offensichtlich nicht mehr als Ansprechpartnerin in zentralen Lebensfragen wahrgenommen. Dafür sind gewiss nicht nur das Versagen und die mangelnde Glaubwürdigkeit von Vertretern der Kirche verantwortlich zu machen. Es gibt dafür zweifellos vielerlei Gründe historisch-gesellschaftlicher Art. Nach weitgehender Auflösung des mehr oder weniger geschlossenen katholischen Milieus muss sich die Kirche nun der Auseinandersetzung mit der modernen Freiheitskultur stellen und den alten und bewährten Glauben in neuen Formen zu verwirklichen suchen.

Es gibt kein Zurück hinter das 2. Vatikanum und keine Alternative zu einer weltoffenen und dialogbereiten Kirche

Die durch das 2. Vatikanische Konzil ausgelösten Erneuerungsprozesse, die der Kirche in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in den Augen vieler Menschen wiederum eine hoffnungsvolle und zukunftsweisende Gestalt verliehen und ihr zu einer wirksamen Präsenz in der Welt von heute verholfen haben, wurden vor allem seit den achtziger Jahren oft nicht mehr entschlossen genug weitergeführt, sondern ängstlich blockiert und bewusst oder versteckt zurück genommen. Ein tief sitzendes Misstrauen gegenüber den Herausforderungen der zweifellos oft schwer durchschaubaren Vielfalt moderner Lebenswelten und die Angst vor dem Verlust katholischer Identität und der Einheit der Kirche scheinen bei einem (kleinen) Teil der Gläubigen und einem zunehmend stärker werdenden Teil von Hierarchie und Klerus zu einer Flucht vor der gesellschaftlichen Verantwortung der Kirche und zu einer pastoralen Grundhaltung zu führen, in der die Bereitschaft zu anstehenden Reformen durch ein verkrampftes Festhalten an überkommenen Formen kirchlichen Lebens blockiert wird. Es kommt in der Kirche von heute nicht selten zur Bildung von Gruppen am rechten Rand der Kirche, die oft zum Anlass für starke innerkirchliche Polarisierungen werden. Wo Kirche jedoch nicht mehr grundsätzlich als weltoffene und zum Dialog bereite Gemeinschaft erfahren wird, ziehen sich gerade viele engagierte Gläubige resigniert aus dem Gemeindeleben zurück oder treten aus Enttäuschung überhaupt aus der Kirche aus. Die Kluft zwischen Klerus und Volk, zwischen Priester und Laien, zwischen amtskirchlicher Wirklichkeitswahrnehmung und den Realitäten menschlichen Lebens scheinen mancherorts zu einer Art pastoralen Schismas geworden zu sein, das die Kirche in den Augen vieler Zeitgenossen unglaubwürdig macht.

Schwierigkeit der Weitergabe des Glaubens und der Erfahrung christlicher Gemeinde an die nächste Generation

Ein Großteil der jüngeren Generation, der noch – ohne die Möglichkeit zu einer persönlichen Entscheidung für Glaube und Kirche – getauft wurde und in einer mehr oder weniger gläubigen Familie aufwuchs, identifiziert sich nur noch vereinzelt mit der Kirche und nimmt nur zu einem sehr geringen Teil am religiösen Leben teil. Die Weitergabe des Glaubens von einer Generation zur anderen gelingt nur sehr bruchstückhaft. Selbst Eltern und Großeltern, denen die Weitergabe des Glaubens noch ein Anliegen ist, schaffen es einfach immer seltener, ihren eigenen heranwachsenden Söhnen und Töchtern das zu vermitteln, wovon sie selbst überzeugt sind. Nur dort, wo junge Menschen im Religionsunterricht, in einer Jugend- oder Gebetsgruppe, in einer lebendigen Pfarrgemeinde oder innerhalb einer geistlichen Bewegung Menschen aus Fleisch und Blut begegnen, die sie durch die Art ihrer Lebensgestaltung ansprechen, springt der Funke über und kann in den Höhen und Tiefen menschlicher Existenz und in oft schmerzlichen Suchprozessen zu einer Glut werden, die unter der Asche des beruflichen und kirchlichen Alltags nicht verlöscht, sondern Wärme spendet. Die Nachfrage nach Priester-, Ordens- und Missionsberufen in ihrer traditionellen Form ist gering und nur wenige Jugendliche sind darauf ansprechbar. Immer häufiger sind es erst Spätberufene, die sich für einen solchen Weg entscheiden. Dafür aber nimmt zum Beispiel die Berufung zum missionarischen Dienst in den MissionarInnen auf Zeit eine neue zentrale Stellung ein.

Unsere missionarische Berufung auf dem „Missionskontinent Europa“

Die katholische Kirche sieht sich heute ebenso wie die anderen christlichen Kirchen überall in Konkurrenz mit einer Vielzahl neureligiöser Strömungen und Bewegungen, die in zunehmendem Maß für immer mehr Menschen eine wirkliche Alternative zum christlichen Glauben darzustellen scheinen. Deshalb ist auch realistisch damit zu rechnen, dass der Anteil der Katholiken an der Gesamtbevölkerung in den nächsten Jahren weiterhin konstant abnehmen wird. Was in den Ländern des deutschen Sprachraums in der Vergangenheit aus einer vitalen Verbindung von Kirche und Gesellschaft, Religion und kulturellem Ausdruck erwachsen ist, wird nicht von selbst weiter bestehen, sondern nur dann einer neuen Gestalt von Kirche Platz machen können, wenn es auch bei uns zu einer missionarischen Verkündigung und zu einer Inkulturation der christlichen Heilsbotschaft in die verschiedenen Lebenswelten des modernen Menschen kommt. Der „Bruch zwischen Evangelium und Kultur“, den Papst Paul VI. im Apostolischen Schreiben „Evangelii nuntiandi “ und als „Drama unserer Zeitepoche“ charakterisiert (EN,20), kann auch bei uns nur dann vermieden werden, wenn sich die Kirche auch und gerade angesichts der verwirrenden Vielfalt moderner Heilslehren von Neuem darum müht, „durch die göttliche Kraft der Botschaft, die sie verkündet, zugleich das persönliche und kollektive Bewusstsein der Menschen, die Tätigkeit, in der sie sich engagieren, ihr konkretes Leben und jeweiliges Milieu umzuwandeln“ (EN,18). Wenn Papst Johannes Paul II. in seiner Missionsenzyklika „Redemptoris Missio“ auch die „neuen sozialen Welten und Phänomene“, die „Kulturbereiche oder modernen Areopage“ (RM,37) als Bereiche der Mission anführt, dann ist unsere Berufung als Comboni-Missionare auch in einer veränderten religiös-kirchlichen Situation, wie sie zur Zeit im deutschen Sprachraum gegeben ist, auf neue Art und Weise gefragt und zu neuen Aufgabenstellungen herausgefordert.

Unsere Mitarbeit an der „Lerngemeinschaft Weltkirche“ ist neu angefragt

Innerhalb eines neuen Europa, das trotz der Betonung seines christlichen Erbes zusehends in Gefahr gerät, zu einer „unchristlichen Festung“ zu werden, indem es sich aus Angst vor dem Verlust des eigenen Wohlstandes und vor kultureller Überfremdung nicht nur gegen den Zustrom von Flüchtlingen abschirmt, sondern auch kulturelle Einflüsse aus den Ländern des Südens und Ostens unterbindet, sind wir als missionarische Gemeinschaft besonders dazu berufen, uns zur Stimme derer zu machen, die Opfer einer restriktiven Asyl- und Ausländerpolitik werden. Wir haben unseren Beitrag zu einer „Lerngemeinschaft Weltkirche“ zu leisten, indem wir in die Ortskirchen im deutschsprachigen Raum geistliche, pastorale und theologische Impulse aus den Kirchen des Südens, in denen wir tätig sind, einbringen. Zugleich haben wir die Ortskirchen bei uns hier daran zu erinnern, dass sie auch selbst für die Mission „ad gentes“ Verantwortung tragen. Weil Evangelisierung aber immer von Menschen ausgeht, die durch ihr gelebtes Zeugnis neue Beziehungen zwischen Personen herstellen und damit die Voraussetzungen für den Aufbau einer wahrhaft „katholisch-plurikulturellen“ Kirche schaffen, wird es für unsere Provinz in Zukunft von großer Bedeutung und eine große Bereicherung sein, dass wir in den Ortskirchen des deutschen Sprachraums durch Mitbrüder aus den Kirchen des Südens als internationale Gemeinschaft und als Zeichen für die Weltkirche präsent sind. Europa darf nicht zum „Seniorenheim“ der Weltkirche werden und unsere Deutschsprachige Provinz nicht zum „Auslaufbetrieb“. Auch wenn wir als Comboni-Missionare hierzulande älter und weniger werden, dürfen wir gelassen mit dem, was wir sind und haben, voll Freude und Dankbarkeit unsere missionarische Berufung verwirklichen.