Haus der Talente / Peru

Hoffnungsträger im Slum von Lima

Mein Name ist Juan Goicochea und ich bin Comboni-Missionar. Nach meinem Theologie-Studium in Innsbruck (1995-1999), meiner Priesterweihe in meiner Heimat Piura, Peru im Jahr 2000 und nach neun Jahren Einsatz als Obdachlosenseelsorger in Nürnberg arbeite ich seit 2009 in der Haupstadt Lima in Peru in den Elendsvierteln unserer Pfarrei mit rund 80.000 Menschen. Die größten Herausforderungen sind für mich, ständig mit der Armut und mit den tragischen Schicksalen der Kinder und Jugendlichen aus zerrissenen Familien konfrontiert zu werden, wie Drogenszenen, Gewalt und Missbrauch von Kindern, organisierten Jugendbanden.

Haus der Talente

Meine Antwort auf all diese großen Probleme ist, den Menschen nahe zu sein, aus dem Glauben heraus Mut und Hoffnung auf ein neues Leben zu machen und an konkrete Alternativen zu denken und anzubieten. So ist unter anderem auch das “Haus der Talente” entstanden. Jugendliche sollen hier die Fähigkeiten entdecken, die Gott ihnen geschenkt hat, um damit Selbstvertrauen für ihr Leben zu entwicklen. Ein Besuch aus Deutschland fand dafür folgende Beschreibung: “Zwei der peruanischen Jugendtänzer aus dem Erdgeschoss kommen dazu, während P. Juan zur Panflöte greift und mit zwei Bambusstangen die Klänge seiner Heimat zum Leben erweckt. Die Jugendlichen machen im Takt der Musik kleine schnelle Tanzschritte und werfen die Füße nach hinten. Der graue Kellerraum, der am Vormittag noch trist im Schatten lag, an dessen Wänden die Farbe abblättert, erstrahlt nun plötzlich in allen Farben durch die Musik, der Lebensfreude und der inneren Verbindung der jungen Menschen untereinander.

Und dann plötzlich eine abrupte Unterbrechung. Die Hip-Hop Musik ist aus. Die Panflöte beiseitegelegt, die Fitnessgeräte ruhen, die Breaktänzer, Theatermacher und Musiker stehen noch ein wenig außer Atem und werden nun mit bedächtiger Miene vor einem Adventskranz zusammengetrommelt. Es folgt ein kurzes Innehalten und ein kleiner geistlicher Impuls. Die noch vor kurzem so bewegte Bande der Jugendlichen, hört mit geschlossenen Augen aufmerksam auf das Gebet des Priesters. Der drückt kurz darauf auf den Playknopf der Musikanlage und schon schallt wieder die Musik hinaus bis auf die Straße”.

Ihnen Bruder und Freund sein

Inmitten ihrer so großen Probleme darf ich ihnen Bruder und Freund sein und selbst von ihrer Lebensfreude lernen; wie sie sich trotz so vieler Probleme begeistern lassen und sich dann mit einer gewissen Hartnäckigkeit durchsetzen und zu einem bisher unbekannten Selbstvertrauen finden. Das ist die Voraussetzung für den Beginn eines neuen Lebens und der Arbeit an sich selber, um so größere Ziele anstreben zu können. So wie sie sich im Haus der Talente einsetzen, so finden sie sich auch aufgenommen in unserer lebendigen christlichen Gemeinde. Auch hier dürfen sie sich als Akteure ihres neugefundenen Lebens erleben.

Für mich ist ein Traum erfüllt, wenn ich erleben darf, wie Jugendliche, die aus der Drogenszene oder Jugendbanden kamen, dann selbst eine Familie gründen, was sie selber nie erlebt haben, und so ein Segen für andere werden.

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2016-12-19T02:53:15+00:00