(Platzhalter) junge afrikanische Frau
Maria Schneider P. Herbert Gimpl
Logo der Comboni-Missionare der DSP Stefanie Dandolo
Jugendliche aus Kibremengist (Äthiopien) afrikanischer Mann
Priester aus Bahir Dar (Äthiopien) Mädchen aus Piura/Peru
Alois Hönle Junge aus Kibremengist
(Platzhalter) Indigena-Frau

Zum Thema „Südsudan ist unabhängig“ ein Beitrag vom 23.12.2013:

Aktuelles von der Mission in Leer im Unity Bundesstaat

Seit den Ereignissen in Juba am Sonntag, 15. Dezember, gab es keine größeren Vorkommnisse in Leer. Am Mittwoch, 18. Dezember, suchte allerdings ein Dinka-Händler Schutz auf unserem Gelände. Er war zusammengeschlagen worden, man hatte ihm sein Geld abgenommen, und er fürchtete um sein Leben. Wir haben den Behörden Bericht erstattet, da wir nicht in der Lage sind, Zivilisten zu schützen. Die Behörden stimmten zu, dass er bei uns auf dem Gelände bleiben konnte. Uns waren die Risiken bewusst, aber wir behielten ihn in der Hoffnung, dass die Situation in Juba sich beruhigen würde und er nach Hause zurückkehren könnte. Anführer der örtlichen Gemeinde informierten die Behörden, dass einige Leute den Dinka-Händler töten wollten. Das wäre auch ein Risiko für die Missionare.

Am Dienstag, 19. Dezember, etwa um 9 Uhr sprangen fünf Bewaffnete in Polizeiuniform über unser Tor und suchten den Dinka-Händler. Wir vermuten, dass sie gekommen waren, um ihn zu töten. Sie liefen weg, als wir den Polizeichef anriefen, der um 11 Uhr kam und den Dinka-Händler in Absprache mit dem Polizeichef von Yrol unter seinen Schutz stellte. Ich habe ihn jeden Tag auf dem Gelände der Aufsichtsbehörde besucht. Er ist offensichtlich verängstigt und fürchtet um sein Leben. Es gibt keine Möglichkeit, ihn aus Leer herauszubringen. Was uns betrifft gab es keine Bedrohungen oder Feindseligkeiten.

Am selben Abend wurden fünf Dinka-Soldaten in Adok, 24 Kilometer von Leer entfernt, getötet. Weitere Informationen besagen, dass am Samstagabend ein weiterer Dinka-Soldat in Leer getötet wurde. Ich frage mich, wie lange der Dinka-Händler noch leben wird, selbst wenn er unter dem „Schutz“ der Behörden steht. Mit wurde gesagt, dass viele ihn töten wollen. Ich habe den Fall an UNIMISS (United Nations Mission in the Republic of South Sudan) in Bentiu gemeldet und stehe in Kontakt mit seinen Brüdern in Yambio und Juba.

Der Markt von Leer ist gut versorgt und ruhig. Die Polizei hat jedoch Sicherheitsmaßnahmen ergriffen, um Plünderungen zu verhindern, wie es in Rubkona geschehen ist. Polizei und Soldaten sind angespannt und besorgt.

Die Menschen in Leer sind tief betrübt über die Ereignisse in Juba und Bentiu. Viele haben Angehörige verloren. Sie sind deswegen auch aufgebracht und sichtbar besorgt, was als nächstes geschieht. Es gibt jedoch keine Panik, keine Flucht, sie führen ein Leben wie „normal“. Sie können nicht aus Leer weg.

Landesweit hören sich die Berichte nicht gut an. Die Boote Richtung Juba enden in Adok. Die Passagiere haben keine andere Möglichkeit als in Adok oder Leer zu bleiben. Drei Passagiere aus Eritrea, die auf dem Weg nach Juba waren, halten sich jetzt auf unserem Gelände auf. Ihnen ist das Geld ausgegangen, und sie können nirgends hingehen.

Ich stehe in Kontakt mit UNIMISS in Bentiu, um sie über die Sicherheitslage in Leer auf dem Laufenden zu halten und um das Neueste von dort zu erfahren, ebenso mit dem Gemeindepriester von Bentiu und einem Katecheten. Die Neuigkeiten von heute sind, dass Bentiu nach zwei oder drei Tagen Unruhe „ruhig“ ist, aber die Leute sind ängstlich und besorgt, einige sind über Nacht geflohen. Sie befürchten einen Angriff der Staatsmacht, um Bentiu zurück zu gewinnen. Commander James Koang Chuol, der Chef der Militärregierung, hat Polizeichefs und Sprecher ausgetauscht. Der Polizeichef von Leer bleibt.

Auf dem Gelände von UNIMISS in Bentiu halten sich etwa siebentausend Menschen auf. Nichtregierungsorganisationen haben heute evakuiert. Die Zivilangestellten der UNMISS werden morgen abreisen. Die UNMISS Soldaten bleiben zum Schutz der Zivilbevölkerung. Sie erwarten in den nächsten Tagen einen möglichen Angriff. Es herrscht eine Situation wie in Bor.

Die Mobilfunkverbindungen im Bundesstaat Unity fallen immer wieder aus. Dies liegt an zu vielen Anrufen und daran, dass die Generatoren eventuell keinen Treibstoff mehr haben und der Nachschub einige Gegenden nicht erreicht. Es ist schwierig, jemanden anzurufen oder einen Anruf zu empfangen. Internetzugang haben wir noch hier in Leer. 

Die allgemeine Situation in Leer war, abgesehen von der Tötung der Dinka-Soldaten in und um Leer ruhig. Das MSF-Krankenhaus arbeitet normal und wird die Arbeit auch bei einem Angriff im Notfall fortsetzen. Die Südsudanesen in der Gegend von Leer sind alle Nuer, mit der Ausnahme von einigen Darfur-Händlern. Zwei Soldaten, die keine Nuer sind, stehen ebenfalls unter dem Schutz des Polizeichefs.

Wir versuchen unser normales Leben weiterzuführen. Wir sehen keinen Anlass zur Panik. Jedoch sind wir abgeschnitten dadurch, dass kein Boot von oder nach Juba kommt. Kein Transport nach oder von Bentiu. Kush Air fliegt nicht nach Tharjath seit dem Vorfall auf den Ölfeldern. Trotzdem sind reichlich Waren auf dem örtlichen Markt erhältlich. Wir glauben, dass es keine Lebensmittelknappheit gibt, wenn die Krise andauert. Wir haben einen Arbeiter aus Uganda, der darauf wartet, auszufliegen.

Wir halten das Weihnachtsprogramm wie üblich, außer dass die Programme in weiterer Entfernung abgesagt wurden. Drei Missionare werden in nahe gelegene Kapellen gehen. Die anderen bleiben in Leer.

Falls die Telefonverbindungen ausfallen, hoffen wir, dass wir uns auf das Internet zur Kommunikation verlassen können.

Bitte, schließen Sie uns und unsere Menschen und Anführer in Ihre Gebete ein.

Fr. Raimundo Rocha, Comboni-Missionar, in Leer