(Platzhalter) Sr. Jude Veronica Njeri
Maria Schneider P. Jakob Wellenzohn
Logo der Comboni-Missionare der DSP Stefanie Dandolo
Jugendliche aus Kibremengist (Äthiopien) afrikanischer Mann
Frau aus Kibremengist/Äthiopien Mädchen aus Piura/Peru
Alois Hönle Mädchen aus Tabankulu (Südafrika)
(Platzhalter) Indigena-Frau

Zum Thema „Südsudan ist unabhängig“ ein Beitrag vom 07.01.2014:

Machtkampf im Südsudan – eine Analyse von NAD (Netzwerk Afrika Deutschland)

Mit 99% hatte die Bevölkerung des Südsudan für einen eigenen Staat votiert und am 9. Juli 2011 mit großer Begeisterung ihre Unabhängigkeit gefeiert. Kaum zwei Jahre später kämpfen die Volksgruppen der Dinka und der Nuer in einem selbstmörderischem Krieg um die Vorherrschaft im ölreichen Land. Was sind die Ursachen?

Auslöser der Gewalt

Am 23. Juli 2013 entlässt Präsident Salva Kiir, der der größten Volksgruppe der Dinka angehört, per Dekret sein gesamtes Kabinett und auch seinen Vize-Präsidenten Riek Machar, dem Anführer der zweitgrößten Volksgruppe der Nuer.

Am 15. Dezember beginnen in Juba Kämpfe zwischen Soldaten der Dinka und Nuer. Die Feindseligkeiten greifen auf die Bundesstaaten Jonglei und Unity über. Nuer-Kämpfer erobern die Städte Bor und Bentiu. Beide Seiten begehen ethnisch motivierte Massenmorde.

Zehntausende Zivilisten suchen Sicherheit in Lagern der UN-Friedenstruppe, die von 7.000 auf 12.500 Mann aufgestockt werden soll.

Ein Friedensappell der katholischen und anglikanischen Bischöfe verhallt ungehört.

Am 3. Januar 2014 beginnen unter Druck der Nachbarstaaten in Addis Abeba sehr zögerlich erste Friedensverhandlungen.

Enttäuschte Erwartungen

Nach zwei Bürgerkriegen mit über zwei Millionen Toten erhielt der Südsudan am 9. Juli 2011 seine Unabhängigkeit. Es ist eines der ärmsten Länder der Welt. Weder die britische Kolonialverwaltung noch das islamische Regime in Khartum waren je an der Entwicklung des Südsudan interessiert. Gleichzeitig mussten Millionen aus dem Norden zurückkehrende Flüchtlinge integriert werden. Es ist der neuen Regierung nicht gelungen, in der kurzen Zeit eine funktionierende Verwaltung aufzubauen. Die vom Ausland gewährten Gelder zum Aufbau des Landes wurden fast ausschließlich in Juba investiert. Fast vier Milliarden Dollar sollen veruntreut worden sein. Die hohen Erwartungen der Bevölkerung auf Entwicklung und Sicherheit sind enttäuscht worden. Die Unzufriedenheit ist groß.

Tapfere Krieger, schlechte Verwalter

Die führenden Politiker des Südsudan sind fast alle Kommandeure der Sudan People’s Liberation Army (SPLA) oder anderer Rebellengruppen. Freiheitskämpfer sind meistens schlechte Staatsmänner. Sie regieren diktatorisch, statt Konsens zu suchen. Sie sind oft kompromissunfähig und gewohnt, politische Differenzen militärisch auszutragen. Präsident Kiir wird ein zunehmend autokratischer Führungsstil vorgeworfen.

Ethnische Loyalität, fehlende nationale Identität

Die Bevölkerung des Südsudan wird auf etwa 9 Millionen geschätzt und gehört vielen verschiedenen Ethnien an. Die drei größten Volksgruppen sind die Dinka (2,5-3 Millionen), die Nuer (2 Millionen) und die Shilluk (500.000). Gewaltsame Auseinandersetzungen um Wasserplätze und Weideland zwischen den nomadischen Völkern haben eine lange Tradition. Im Befreiungskampf waren die Dinka unter John Garang die dominierende Kraft und beanspruchten später eine führende Rolle in der neuen Regierung. Andere Volksgruppen fühlten sich ausgeschlossen. Die Euphorie nach dem Referendum von 2011, als sich fast 99% der Bevölkerung gegen den gemeinsamen Feind im Norden für einen eigenen Staat entschieden, war keine genügend starke Grundlage für eine über Stammesloyalität hinausgehende nationale Identität.

Wechselnde Allianzen

Während des Bürgerkrieges nutzte die islamische Regierung in Khartum erfolgreich existierende Stammesrivalitäten und bewaffnete einzelne Gruppen, um die SPLA zu spalten. Die Nuer unter Riek Machar verbündeten sich 1991 mit dem Norden gegen die SPLA und überfielen 2011 die Stadt Bor. Der Verrat unterhöhlt bis heute das gegenseitige Vertrauen zwischen den verfeindeten Volksgruppen.

Kampf um die Kontrolle der Erdöleinkommen

Bei der Teilung des Sudan fiel dem Südsudan ein Großteil der Erdölvorkommen zu, die vor allem im Grenzgebiet zum Norden liegen. Bei den Kämpfen geht es vorrangig um die Kontrolle und Verteilung der Erdölgewinne, die 98% des Staatshaushaltes ausmachen.