intern Vertriebene
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Zum Thema „Südsudan ist unabhängig“ ein Beitrag vom 01.08.2011:

In Abyei und in den Nubabergen kehrt Kriegsgefahr zurück

Am 21. Mai 2011 haben sudanesische Truppen nach Bombardierung von wenigstens fünf Dörfern Abyei besetzt. Der Präsident Omar Bashir hat auf eigene Faust die Regionalregierung abgesetzt. Es wird angenommen, dass bis zu 100.000 Menschen (meist Dinka) die Flucht ergreifen mussten. Die Regierung von Khartum hatte erklärt, dass bis zum 1. Juni 2011 alle Soldaten der SPLA, die sich in der Gegend befinden, ihre Waffen abgeben müssen, oder sie werden angegriffen.

Zu dieser Gegend gehören verschiedene Gebiete, die noch strittig sind oder ihre Zugehörigkeit noch ausgehandelt werden muss wie Abyei, die Nubaberge und der Blue Nile State. In dieser Gegend befinden sich SPLA-Gruppen aus dem Norden, die Jahrzehnte auf der Seite des Südsudan gekämpft haben. Wenn auch nicht die Unabhängigkeit, so fordern sie doch eine weitgehende politische Autonomie von der Zentralregierung. Die Zentralregierung wird wegen Ihrer politischen Diskriminierung heftig kritisiert.

Bei den Wahlen in den Nubabergen im Mai 2011 siegte der Kandidat der Regierung Harun. Die SPLA hat protestiert und die Ergebnisse der Wahl nicht akzeptiert, während die internationale Organisation „Center Carter“, welche die Wahlen überwacht hat, sie anerkannte. Das Ergebnis der Wahl und der Versuch, die SPLA zu entwaffnen, hat eine heftige militärische Reaktion hervorgerufen.

Am 5. Juni hat die SPLA weite Teile der Nubaberge besetzt, während gleichzeitig die sudanesische Regierung wahllos Dörfer bombardierte. Die Anhänger der SPLA wurden in den Häusern aufgespürt, verhaftet und pauschal verurteilt. Auch Kirchen wurden geplündert und zerstört, Pastoralkräften wird Gewalt angetan und der Pastor Nimeiri Philip von der sudanesischen Episkopalkirche wurde getötet. Nach einer Woche heftiger Zusammenstöße befinden sich bereits an die 60.000 Menschen auf der Flucht in die Berge oder nach El Obeid. Der Versuch, Flüchtlinge mit Lebensmittel zu versorgen, wird von den Regierungstruppen verhindert. Der Flughafen von Kadugli ist geschlossen worden. Die Landebahn von Kauda (ein strategischer Punkt für die humanitären Organisationen, die Hilfsmittel bringen) ist bombardiert worden.

Die Vereinten Nationen sind total unfähig, die Bevölkerung zu beschützen. Die Menschen haben das Vertrauen in die Neutralität dieses internationalen Kontingents vollständig verloren. Kein Journalist darf sich dem Gebiet nähern und die nationale Presse wird zensiert. Offizielle Quellen verbreiteten die Nachricht, dass die Regierung dabei ist, die notwendigen Maßnahmen zu treffen, um einen Aufstand zu unterdrücken, dessen Anstifter der Vertreter der SPLA, Al Hilu Aziz sei, der nach offiziellen Quellen bald verhaftet und hingerichtet werden wird.

Am Vorabend der Unabhängigkeit hat die Spannung entlang der Grenze zwischen Nord und Süd zugenommen. Beide Teile bereiten schwere Waffen vor und positionieren zahlreiche Soldaten. Viele Tausende von Menschen aus dem Süden leben noch im Norden und können den Süden nicht erreichen, da es keine Transportmittel gibt und die Verkehrswege blockiert sind.

(Familia Comboniana – Juli / August 2011, P. Angelo Giorgetti)