(Platzhalter) junge afrikanische Frau
Hermann Bentele P. Günther Hofmann
Logo der Comboni-Missionare der DSP Stefanie Dandolo
Jugendliche aus Kibremengist/Äthiopien afrikanischer Mann
Xhosa-Frau aus Südafrika Junge aus Quito / Ecuador
Daniel Junge aus Kibremengist
(Platzhalter) Indigena-Frau

Zum Thema „Südsudan ist unabhängig“ ein Beitrag vom 10.08.2016:

Massenflucht und drohender Hungertod

Im jüngsten Staat der Welt, dem Südsudan, bleibt die Lage angespannt. Die Zahl der Flüchtlinge steigt, 60.000 Menschen sind nach UNO-Angaben vor der Gewalt der Regierungstruppen gegen Zivilisten aus dem Land geflohen. In der Hauptstadt Juba erreichten wir Pater Daniele Moschetti, den aus Italien stammenden Provinzoberen der Comboni-Missionare im Südsudan. Er berichtet zu verschiedenen Themenbereichen:

„Bei den Verfolgungen sind sicherlich rund 1.000 Menschen ermordet wurden, auch wenn die Regierung lieber von 300 Toten spricht. Nach der Flucht der Opposition mitsamt ihrem Chef Riek Machar kam es zum Waffenstillstand, der in Juba noch anhält. Aber außerhalb Jubas gehen die Auseinandersetzungen weiter. Und es ist schwer zu verstehen, was genau zwischen den beiden Gruppen überhaupt gerade abläuft.

Es gibt Spannungen zwischen der Regierung und der internationalen Gemeinschaft, denn diese will nicht nur mit der Regierung sprechen, sondern versucht auch, den Oppositionsführer Riek Machar zurück an den Verhandlungstisch zu bekommen. Die Regierung unter Salva Kiir hat einen neuen Vizepräsidenten bestimmt, Taban Deng. Zunächst hieß es, das sei eine vorübergehende Ernennung bis zur Rückkehr Machars, inzwischen hat der Präsident den neuen Mann aber zum Vizepräsidenten an sich erklärt. Das macht die Lage noch komplizierter und zeigt, dass die Opposition in sich gespalten ist. Klar scheint, dass die Regierung die Vereinbarung zwischen Machar und Kiir von letztem Jahr nicht mehr akzeptieren will.

Seit zwei Jahren sehen wir im Südsudan diese Notlage: Zwischen drei und fünf Millionen Menschen riskieren den Hungertod wegen des Krieges, heute mehr als früher, weil die Ressourcen immer mehr zusammenschmelzen. Die NGOs sind fast alle von hier abgezogen, nur ganz wenige sind geblieben. Und dann gibt es eine absurde Lage der Wirtschaft und der Finanzen, es hat sich alles in Luft aufgelöst. Heute bekommt man für einen US-Dollar 60 Pfund, vor einem halben Jahr waren es drei Pfund. Im Südsudan herrscht derzeit die stärkste Geldentwertung der Welt, mehr als 300 Prozent Inflation.

Wenn sich die Menschen im Südsudan immer mehr auf ihre eigene Ethnie berufen, nähern wir uns einem Völkermord wie damals in Ruanda. Doch in Ruanda gab es nur zwei Ethnien, hier sind es 64, die bedeutendsten sind Nuer und Dinka. Mit ihren Anführern zu sprechen ist schwierig, denn es sind keine politischen Leader, sondern militärische.

Die Kirche gibt den Leuten Hoffnung und Schutz. Wirklich, derzeit sind die Kirchen die einzige Hoffnung, auch ganz materiell. Abertausende haben sich in die Höfe und die Kirchen geflüchtet. Das bedeutet Schutz, aber auch Versorgung. Wir suchen so viel zu helfen, wie wir können.“

(rv, 05.08.2016)