(Platzhalter) Sr. Jude Veronica Njeri
Hermann Bentele P. Jakob Wellenzohn
Logo der Comboni-Missionare der DSP Stefanie Dandolo
Jugendliche aus Kibremengist (Äthiopien) afrikanischer Mann
Xhosa-Frau aus Südafrika junge  Frau aus Peru
Albert Klingler Junge aus Kibremengist
(Platzhalter) Indigena-Frau

Zum Thema „Südsudan ist unabhängig“ ein Beitrag vom 10.05.2014:

Frieden für den Südsudan in Sicht?

Nach monatelangem Bürgerkrieg im Südsudan haben sich die Gegner nun auf eine Versöhnung geeinigt, zumindest vor den Medien. Präsident Salva Kiir und sein entmachteter Vizepräsident, Rebellenführer Riek Machar, trafen sich diesem Freitag in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba. Das Friedensabkommen sieht unter anderem ein sofortiges Ende der Feindseligkeiten und die Bildung einer Übergangsregierung vor. Zudem soll der Zugang zu humanitärer Hilfe für rund eine Million Vertriebene gewährleistet werden. In 30 Tagen wollen sich Kiir und Machar erneut treffen. Da bereits die letzten Friedensvereinbarungen keinen Erfolg verzeichneten, bleibt auch hier eine Grundskepsis erhalten. 

Wir haben mit Pater Gregor Schmidt gesprochen. Der Comboni-Missionar lebt seit fünf Jahren im Südsudan. Er denkt nicht, dass das Friedensabkommen zu einer schnellen Lösung führen wird.

„Ich glaube, dass in einigen Teilen des Landes die Politiker überhaupt keinen Einfluss mehr haben. Sie haben keine Ahnung, was da eigentlich passiert. Bei uns wird von der Bevölkerung selbst aufgerufen, dass die Jugendlichen in den Krieg ziehen sollen. Die brauchen keine Politiker. Die Bevölkerung mobilisiert sich selbst.“

Pater Gregor Schmidt lebt in Old Fangak, einem Dorf im Nordwesten des Bundesstaates Jonglei, der gewaltreichsten Region im Südsudan. Das Gebiet seiner Pfarrei in der Diözese Malakal im Nodern des Landes ist so groß wie Nordrhein-Westfalen. 

„Ich kann bestätigten, dass in vielen Gegenden die Menschen schutzlos sind. Es gibt wahrscheinlich schon über 10.000 Tote. Unser Gebiet ist jedoch nicht von den Kämpfen betroffen, ansonsten könnten wir unsere Arbeit nicht durchführen. Unser Ort ist ohne Straßenanbindung. Über 20.000 Flüchtlinge sind bei uns gezählt worden. Der Ort selbst hat eigentlich nur 3.000 Einwohner.“

Die Menschen flüchten, denn sie haben keine Alternative. Ein aktueller Bericht von Amnesty International verzeichnet unbeschreibliche Gräueltaten im Südsudan: Schwangere und Kinder werden Opfer von Massenvergewaltigungen, wehrlose Patienten in Krankhäuser werden erschossen; überdies droht eine Hungersnot. Die Bilder erinnern an den Völkermord in Ruanda und sorgen nun endlich auch für weltpolitische Erschütterung. 

Regierungstruppen und Rebellen bekämpfen einander seit Dezember 2013. Der Konflikt hat einen ethnischen Hintergrund, der südsudanesischen Präsidenten Salva Kiir gehört dem Dinka-Volk an. Der 2013 entmachtete Riek Machar der Nuer-Ethnie. Die Verhältnisse zwischen beiden Gruppen gelten seit Jahren als angespannt.

„Es ist eine komplizierte Situation. Das betrifft nicht nur Nuer und Dinka. Sondern auch Nuer untereinander. Dass Familien und Sippen sich bekriegen, ist eine ganz normale Sache. Sie fühlen das tiefe Gefühl der ausgleichenden Gerechtigkeit, dass für den Tod eines Familienmitgliedes jemand anderer sterben muss. Das macht den Konflikt so tragisch. Jeder hat das Gefühl, er hat das Recht die anderen umzubringen.“

Der erst im Juli 2011 gegründete Südsudan ist der jüngste und gleichzeitig einer der ärmsten Staaten der Welt. Infolge eines vorhergehenden Bürgerkrieges hatte er sich vom nördlich gelegenen Sudan abgespalten. Die Menschen sind traumatisiert von all dieser Gewalt und dem ethnisch motivierten Hass, der über Generationen hinweg geschürt worden sei, erklärt der Pater. Die jüngste Generation wolle Rache. Der Gruppendruck führe dann zu diesen unfassbaren Gewaltakten.

Der Hass der Nuer gelte vor allem einer bestimmten Gruppe der Dinka, nämlich jener, welcher der Staatspräsident angehört. Dieser Stamm hatte bei den Aufständen im Dezember 2013 mehrere Nuer getötet. Pater Schmidt erklärt die Dynamik, des gegenseitigen Mordens mit einer Art Wettkampf.

„Vor einigen Wochen ist durch die Rebellen in Bentiu, der von ihnen besetzten Öl-Stadt, ein Massaker an der Lokalbevölkerung verübt worden. Sie haben hunderte Zivilisten umgebracht. In dem Flüchtlingslager, wo die Nuer zu finden sind, wurde dieses Massaker gefeiert. Das ist so, als wenn die eigene Mannschaft ein Tor schießt.“

Daraufhin hätten bewaffnete Jugendliche des Dinka-Volkes sich als Zivilisten verkleidet und das UN-Flüchtlingslager angegriffen, wo die Nuer untergebracht sind. Hunderte Menschen wurden getötet berichtet der Pater, weil sie wiederum Rache an den Nuer-Flüchtlingen genommen haben.

Die Kirche habe hier die Aufgabe der Aussöhnung. Kein leichtes Unterfangen, doch die Nähe der Missionare und dass sie ihre Sprache sprechen, sei ein Vorteil und schaffe Vertrauen. Sie geben die Hoffnung nicht auf: „...,dass Nuer und auch die christlichen Nuer sich als Familie Gottes mit den Dinka versöhnen können.“