Br. Erich Stöferle.
Bruder Erich Stöferle.
Erstkommunion
Gemeindeleben in Südafrika. Hier Erstkommunion in der früheren Gemeinde von Pater Günther Hofmann.
Gemeindeleben
Die südafrikanische Kirche hat zum Teil ein blühendes Gemeindeleben.
Gärten
Projekte: Zum Beispiel die Gemeinschaftsgärten von Br. Hermann Engelhardt.
Flüchtlinge als Taglöhner
Viele Flüchtlinge verdingen sich als Taglöhner.

Südafrika

Provinzverwalter Bruder Erich Stöferle

Bruder Erich Stöferle aus Ringingen bei Ulm ist seit elf Jahren in Südafrika. Im Sommer war er auf Urlaub in seiner Heimat. Er ist Verwalter der südafrikanischen Provinz der Comboni-Missionare. Vor fünf Jahren hat er dieses Amt von Bruder Peter Niederbrunner übernommen. Pater Baumann sprach mit ihm über seine Arbeit und über die Herausforderungen.

Bruder Erich, kannst Du etwas zur Provinz sagen, deren Verwalter Du bist?

Wir sind zurzeit 35 Comboni-Missionare in Südafrika. Von ihnen kommen sechs aus dem deutschen Sprachraum, je vier aus Mexiko, Spanien und Südafrika, drei aus Italien und aus dem Kongo, zwei aus Sambia und je einer aus Äthiopien, Ecuador, Ghana, Kenia, Portugal, den Philippinen, Togo und Uganda. Unser Provinzoberer ist ein Portugiese, sein Stellvertreter kommt aus dem Kongo. Wir sind also ganz schön international aufgestellt. Die Mitbrüder sind auf zwölf Hausgemeinschaften aufgeteilt. Die beiden abgelegensten sind fast tausend Kilometer voneinander entfernt.

Sieben Hausgemeinschaften sind ausschließlich für die Seelsorge da, vier widmen sich neben der Seelsorge vorwiegend der Aus- und Weiterbildung. Und dann kommt noch das Provinzhaus in Johannesburg, in dem auch ich lebe.

Interessant ist, wie sich das in den letzten Jahrzehnten entwickelt hat. Die ersten Comboni-Missionare, die vor fast 90 Jahren (1924) nach Südafrika kamen, waren alle aus Deutschland, Österreich oder Südtirol und alle waren in einer einzigen Region tätig, in der Diözese Lydenburg-Witbank. Sie waren unter sich, alle kannten sich und alle sprachen Deutsch. Das war so bis vor etwa 30 Jahren. Heute arbeiten in den meisten Pfarreien von Lydenburg-Witbank einheimische Priester. Aus einer deutschen oder zumindest europäischen Mission ist eine internationale, im wahrsten Sinn katholische Kirche geworden.

Jetzt zu Deinem Arbeitsfeld. Du wohnst in Johannesburg?

Ja, ich lebe im Provinzhaus zusammen mit dem Provinzoberen und Pater Johann Maneschg aus Südtirol. Ich mache den Hausmeister und bin für die Finanzverwaltung zuständig. Es geht eben auch bei uns nicht ohne Geld und das will verwaltet werden. Der Aufwand ist bescheiden. Mein Büro ist auch mein Schlafzimmer. In einem Zimmer daneben, in der Registratur, werden die Akten aufbewahrt. Neben der Büroarbeit mache ich noch Botengänge und Besorgungen und hole Mitbrüder und Gäste vom Bahnhof oder Flughafen ab.

Von was leben die Provinz und die Mitbrüder?

Bei uns gilt das Prinzip, dass jede Pfarrei für ihre laufenden Kosten, auch für den Unterhalt ihrer Missionare beziehungsweise Pfarrer, selber aufkommen soll. Es gibt eine Art freiwillige Kirchensteuer, je nach Einkommen. Es gibt ja nicht nur arme Gemeindemitglieder. Und auch eine arme Gemeinde darf sich nicht immer darauf verlassen, dass sie einen Pfarrer aus Europa hat, der ihr Geld bringt.

Hilfe von außen, das heißt aus Übersee, brauchen wir noch für die Provinzaufgaben, vor allem für die Aus- und Weiterbildungshäuser sowie für das Provinzialat selber. Auch wenn auf den Stationen größere Auslagen anfallen für Bauten und Renovierungen oder für den Kauf eines Autos, müssen wir von der Provinzverwaltung manchmal mithelfen. Für die Flüge der Missionare in den Heimaturlaub gibt die Diözese auch einen Teil. Dafür gibt es sogar Kollekten in den Pfarreien.

Wenn ein Missionar eine Spende erhält, wie läuft es dann konkret ab?

Wenn die Spende wie üblich über die Missionsprokura eingeht, dann wird der betreffende Mitbruder zunächst von ihr informiert. Doch soll es nicht „reiche“ und „arme“ Missionare geben. In den letzten 20 Jahren sind viele Mitbrüder aus afrikanischen Ländern und aus Lateinamerika gekommen und nur wenige aus Europa. Die meisten der jungen Mitbrüder kommen aus armen Ländern und haben zuhause keinen wohlhabenden Freundeskreis, wie bisher Missionare aus Europa. Deshalb wird in der ganzen Kongregation und auch bei uns immer mehr darauf gedrängt, dass die Einkünfte aus Spenden gerecht verteilt werden. Wir sprechen von dem „gemeinsamen Fond“. Bei personen- und projektbezogenen Spenden wird natürlich immer der Spenderwille respektiert. Im Allgemeinen wird erwartet, dass letztlich der einzelne Missionar über die Verwendung der Spenden nicht allein entscheidet, sondern zusammen mit seiner Hausgemeinschaft. Und wenn eine Hausgemeinschaft gut gestellt ist, dann gibt sie auch an andere ab, die nicht so gut gestellt sind. Es wäre ein Armutszeugnis für Missionare, wenn bei ihnen elementare Regeln des geschwisterlichen Teilens nicht funktionieren würden. Bis jetzt hat es auch fast immer geklappt. Es ist auch eine Voraussetzung für eine nachhaltige Seelsorge. Die Gemeinden müssen ja darauf vorbereitet werden für die Zeit, wo sie Seelsorger aus ihrem eigenen Land haben.

Wie sieht es bei Euch mit den Versicherungen aus?

Ja, das ist auch Teil meiner Arbeit. Die Missionare aus Europa sind meist in ihrem Heimatland krankenversichert. Dann gibt es eine Kongregationsversicherung in Rom, die alle auffängt, die nicht anderweitig versichert sind. In Südafrika zum Beispiel bekommt jeder ab 60 eine kleine Rente von etwa hundert Euro, der dort mit Hauptwohnsitz gemeldet ist, ich übrigens auch.

Habt ihr auch Geld angelegt?

Ein bisschen, aber nicht viel, das meiste davon über die Diözese Rottenburg-Stuttgart. Und das nicht, um zu spekulieren, sondern um laufende Verpflichtungen und Löhne immer bezahlen zu können. Immobilien haben wir fast keine. Nur das Provinzhaus und zwei der Ausbildungshäuser gehören der Provinz. Pfarrhäuser, Kirchen etc. gehören den Pfarreien beziehungsweise der Diözese.

Wie sieht die soziale Situation im Land aus und wie verhaltet Ihr Euch da?

Ich möchte da nur aus meiner Perspektive urteilen. In den Pfarreien gibt es so etwas vergleichbares wie Caritas. Sie müssen damit klarkommen je nach ihrer Situation und ihren Möglichkeiten.

Aber auch wir im Provinzhaus haben damit zu tun. Das kann gar nicht anders sein in einem Land mit solchen sozialen Gegensätzen und zum Teil bitterer Armut. Neben dringenden Fällen, wenn zum Beispiel eine Familie aus einer Wohung hinausgeworfen wird, weil sie die Monatsmiete nicht bezahlen kann, helfen wir vor allem Flüchtlingen und Kindern, die das Schulgeld nicht aufbringen. In Südafrika leben drei bis fünf Millionen Flüchtlinge, vor allem aus Simbabwe. Die Regierung weist sie zwar nicht knallhart aus, aber sie bekommen kaum Hilfe. Viele sind illegal hier und damit rechtlos. Unter den sozialen Herausforderungen sehen wir darum die Hilfe für Schulkinder und für Flüchtlinge als die dringendsten und sinnvollsten an.