Ausschnitt einer Installation von Nuur
Ausschnitt einer Installation von Nuur

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10.12.2016

Neustart für Künstlerin Nuur

Nuur (28) und Dill (Mitte 30) kommen aus dem Libanon bzw. Syrien. Sie, Nuur, ist erst seit einigen Wochen in Deutschland bzw. war etwa sechs Wochen in der Landeserstaufnahme (LEA) in Ellwangen. Sie durfte aber auch außerhalb der LEA in der Stadt sein. So war sie die meiste Zeit von den sechs Wochen bei einem Ehepaar in der Stadt zu Hause. Einige Tage waren Dill und Nuur zu Gast in unserem Haus. Die Familie von Nuur wünschte einst, dass sie Erzieherin in einem Kindergarten sein sollte. Diese Phase dauerte etwa ein Jahr. Zu der Zeit hat sie als Muslima auch ein Kopftuch getragen. Hochbegabt hat die junge Frau schließlich Kunst studiert. Nuur ist eine sehr aufgeweckte, anpassungsfähige, freundliche und gebildete junge Frau. Das Gespräch mit ihr auf Englisch war gut möglich. Sie wird nun mit dem Deutschlernen beginnen. Ein Kopftuch trägt sie jetzt nicht mehr.

Und dann ist da Dill, ein Kurde aus Syrien. Er kam bereits vor etwa acht Monaten nach Deutschland und lebte in der LEA von Sinsheim. Dill wirkt verhalten und still. Von Beruf ist der Mann Polsterer. Aber er schrieb auch Zeitungsbeiträge. Letzteres dürfte schließlich zu heiß geworden sein. Nuur und Dill sind seit vier Jahren als Paar zusammen. Die beiden ergänzen sich, hatten es aber bis dato nicht ganz leicht: Dill lebte bis vor kurzem schon ein dreiviertel Jahr in Sinsheim zwischen Heidelberg und Heilbronn (Baden-Württemberg).

Auch Dill hatte Glück: Er konnte schließlich Nuur besuchen und eine Weile in Ellwangen sein. Das Paar war auch bei uns für ein paar Tage zu Gast. Bei der Familie, in der die beiden aufgenommen wurden, und auch bei uns hinterließen sie einen guten Eindruck.

Vor etwa zwei Wochen wurde die Aufenthaltserlaubnis für Dill um ein Jahr verlängert. Beide wohnen nun in Dossenheim bei Heidelberg in einer Art „Flüchtlingshotel“ mit entsprechenden Privaträumen und einer gemeinsamen Küche. Es ist auch ermutigend, wie Nuur und Dill von den Behörden behandelt wurden. Die Beamten und MitarbeiterInnen haben es ermöglicht, dass das Paar sich nach langen Monaten wieder treffen konnte.

Beide dürften einen islamischen Hintergrund haben. Auf die Frage jedoch, welcher Religion sie angehören, kommt die Antwort: „Es gibt in jeder Religion Gutes. Und dafür wollen wir jeweils offen sein.“

Viel Glück für Nuur und Dill sowie viele gute Erfahrungen in Deutschland!

Bruder Hans-Dieter Ritterbecks und Pater Anton Schneider