Das "Comboni-Haus" in Bamberg
Das "Comboni-Haus" in Bamberg
Bild: Anton Schneider

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14.12.2016

Vom Provinzialat zur Jugendeinrichtung: das ehemalige Missionshaus in Bamberg wird von neuem Leben erfüllt

Am 11. November 2016 wurde in einer lebendigen Feier das ehemalige, inzwischen komplett umgestaltete Missionshaus der Comboni-Missionare in der Karolinenstraße 7 auf dem Domberg in Bamberg von Erzbischof Schick neu eingeweiht. Der Provinzobere der Comboni-Missionare, Pater Karl Peinhopf und Pater Andreas Thorwarth, der weiterhin in einem Haus in Bamberg (Jakobsberg 11) lebt und dort Verantwortlicher für das „Werk des Erlösers“ ist, waren bei dieser Feier dabei. Pater Josef Grünner, Provinzial der Salesianer, sagte in seiner Rede, das Haus im Sinne der Comboni-Missionare für sozial benachteiligte Jugendliche weiterführen zu wollen. Dazu soll es in Zukunft auch den Namen „Comboni-Haus“ tragen.

Neue Nutzung des Hauses

Das ehemalige Missionshaus wurde also nach ausführlichen Renovierungs- und Umbauarbeiten seinem neuen Zweck überführt: es wird heilpädagogische und therapeutische Wohngruppen für Sechs- bis 18-Jährige beherbergen. Die Kinder und Jugendlichen, die in dem umgebauten Haus wohnen werden, sind teilweise traumatisiert und sollen in dem Haus zur Ruhe kommen. Die Bamberger Salesianer hatten den Comboni-Missionaren das Haus abgekauft und bieten nun über ihr Don-Bosco-Jugendwerk neue, zusätzliche Angebote für benachteiligte Kinder und Jugendliche an. Somit werden die Angebote über das Canisius- und Josefsheim hinaus erweitert.

Bis 2013 war in dem Einzeldenkmal von 1780 das Provinzialat der Comboni-Missionare untergebracht. Das Provinzialat befindet sich mittlerweile in Nürnberg, wo die Comboni-Missionare Anschluss an eine Pfarrei haben und im bunten Stadtteil Gleißhammer in direktem Kontakt mit den Menschen stehen. Dieser direkte Kontakt mit den Menschen gestaltete sich auf dem Domberg schwierig, deshalb entschied man sich, das Haus in Bamberg aufzugeben.

Für die neue Nutzung des Gebäudes als Unterkunft für Wohngruppen ist die Lage auf dem Domberg jedoch äußert gut geeignet: meistens sei es am besten, die jungen Leute aus ihrem sozialen Umfeld komplett herauszunehmen, meinen Anne Jahn und Emil Hartmann vom Don-Bosco Jugendwerk. Viele der Kinder und Jugendlichen hätten an schweren Schicksalen zu tragen und wurden oft misshandelt und vernachlässigt, sodass ihnen besondere Räume, Strukturen und Menschen, die beständig da sind, helfen, wieder Vertrauen in Bezugspersonen zu entwickeln. Für die Kinder und Jugendlichen war es ein besonderes Erlebnis zu sehen, dass ihnen so schöne und liebevoll eingerichtete Zimmer gegeben wurden, da sie diese Zuwendung von Zuhause nicht kannten.

Neues Innenleben nach der Renovierung und Sanierung

Unter der Regie von Architekt Matthias Dietz wurde die Sanierung und der Umbau des Hauses gemäß den Richtlinien des Denkmalschutzes ausgeführt. Direkt unter dem Dach werden die Jüngsten wohnen, im Erdgeschoss sowie im ersten Stockwerk und in der ehemaligen Remise befinden sich Wohn- und Gemeinschaftsräume für Jugendliche und Heranwachsende. Dort, wo früher die Kapelle war, befindet sich nun eine gemütliche Küche, in der die Jugendlichen abends und an Wochenenden selbst kochen. Die frühere Bibliothek wird nun als Tagungsort für Konferenzen und Fachtagungen für Externe im Bereich der Jugendhilfe genutzt. Für die Pädagogen ist es darüber hinaus wichtig, auch die Eltern so gut es geht durch Coaching und Betreuung miteinzubeziehen. Deshalb entstanden in einer der ehemaligen Remisen drei Selbstversorger-Appartments für Eltern, damit diese bei längeren Aufenthalten für die Be- und Erziehung ihres Kindes in der Nähe sein können.

Das denkmalgeschützte Haus in prädestinierter Lage auf dem Domberg hatte noch weitere Kaufinteressenten angelockt: so wollten Investoren beispielsweise ein Hotel aus dem Gebäude machen oder dort Antiquitäten präsentieren. Die Comboni-Missionare entschieden sich jedoch, das Haus an die Salesianer zu verkaufen, damit das Haus nach wie vor für soziale Zwecke genutzt wird und besonders den Schwächsten in unserer Gesellschaft – benachteiligten und vernachlässigten Kindern und Jugendlichen – ein Schutzraum geboten wird.

Brigitte Rolfes