Lomin: Missionare helfen, wo sie können

Eva Hönle, die ein Frauenprojekt, eine Handweberei, in Lomin im Südsudan aufgebaut hat – wir haben mehrfach darüber berichtet – schreibt über die aktuelle Situation dort:

Lomin und Umgebung waren bisher ruhige Gebiete – bisher, bis September 2016. Seither verlassen immer mehr Menschen die Region Kajo-Keji. Es wurde immer unruhiger. Frauen und Mädchen wurden vergewaltigt, wenn sie auf ihren Feldern waren. Gegen Weihnachten wurde es immer schlimmer. Die Menschen fürchteten, dass sich etwas Schlimmes ereignen würde, und viele zogen in die Flüchtlingslager im nahen Uganda.
Anfang Januar öffneten die Werkstätten in Lomin wieder, und einige kamen zurück zur Arbeit. Doch Mitte Januar wurden im etwa 15 Kilometer entfernten Mondikolok ein Katechist und sechs weitere Menschen während eines Gottesdienstes von Regierungssoldaten erschossen. Daraufhin flohen fast alle Menschen nach Uganda. Bruder Erich Fischnaller half mit seinem Lkw vielen mit ihren paar Habseligkeiten über die Grenze. Er blieb fast allein in Lomin zurück, schweißte die Container der Werkstätten zu und transportierte alles, was möglich war, nach Moyo im nahen Uganda. Kajo-Keji war zu einer Geisterregion geworden. Ende Februar musste auch er nach Moyo fliehen, da die Gesamtsituation immer unsicherer geworden war.

Flüchtlinge im eigenen Land
Weil die vielen Menschen in Uganda keinen Platz finden, entstehen Camps ganz im Süden des Südsudan, im Gebiet der Rebellen. Von drei Camps ist die Rede, mit zusammen etwa 45000 Flüchtlingen. Sie bauen sich einfachste Hütten mit Grasdächern; manchmal haben sie eine Plane. Viel zu viele Menschen auf engstem Raum, viel zu wenig von allem, vor allem viel zu wenig zu essen.
Mitte März kam Bruder Erich wieder nach Lomin. Er fand die Missionsstation, das Gästehaus ausgeraubt, das Büro und einen Container aufgebrochen. Was nur irgendwie wertvoll war und verkauft werden konnte, war weg. Kein Wunder: Die Soldaten bekommen keinen Lohn und haben selber nichts zu essen. Es ist ein Kampf ums Überleben. Doch, Gott sei Dank, die Werkstätten sind intakt, und auch in der Kirche wurde nichts zerstört.
Seither fährt Bruder Erich immer wieder, wenn es möglich ist, nach Lomin, um das eine oder andere wie zum Beispiel die großen Batterien der Solaranlage in Sicherheit zu bringen. Seine Haupttätigkeit jedoch ist der Großeinkauf von Lebensmitteln wie Reis, Maismehl, Bohnen, Zucker und Medikamenten mit dem Lkw in Uganda  für die Flüchtlinge im Südsudan. Er hat einen Weg gefunden, diese über die Grenze in die Lager zu bringen. Die Hilfsorganisation Oxfam versorgt die Menschen mit Trinkwasser. Bald wird es zu regnen beginnen. Daher möchte Bruder Erich den Menschen Samen besorgen, damit sie wenigstens ein bisschen etwas anbauen können.

Wie geht es weiter?
Niemand weiß, wie es weitergeht. Alle hoffen, dass sie bald wieder zurück nach Hause gehen zu können. Hoffen und warten. Wenn jetzt der Regen kommt, wird auch die Hygiene in den Lagern prekär. Viel zu viele Menschen auf engstem Raum, viel zu wenig frisches Wasser, um Typhus und Cholera vorzubeugen. Wohin mit Abwasser und Fäkalien? Es heißt abwarten und die größte Not lindern.

2017-11-20T10:38:18+00:00