In Afrika ticken die Uhren ein bisschen anders

Eine Sache ist es, Afrika als Tourist oder als Forscher zu erkunden, eine andere, von Freunden in ihr Dorf eingeladen zu werden.
Die Missionarinnen auf Zeit Katharina Hutter und Paulina Konle in Uganda besuchten mit zwei von ihren Schülerinnen deren Elternhaus.

Am 28. April haben bei uns die Schulferien begonnen. Wir haben die Gelegenheit genutzt, um eine unserer Schülerinnen, Maliam, nach Hause zu begleiten.
Um sechs Uhr Früh ging es los. Die Mädels haben sich alle mit viel Euphorie und Freude auf zuhause voneinander und von uns verabschiedet, bevor wir dann in das Bustaxi stiegen. Nach zwei Stunden Fahrt traten wir noch einen Fußweg zu unserem Ziel an. Von zwei Kilometern war die Rede. Am Ende brauchten wir zwei Stunden. Aber auch der Weg immer tiefer in den „Busch“ war schön. Wir waren zu viert unterwegs, weil Siddy, eine andere Schülerin, auch in dieser Gegend wohnt.
Maliam wohnt mit ihren Eltern und drei ihrer Geschwister zusammen. Dort stehen fünf runde Lehmhäuser in einem Kreis. Eins ist die Küche, eins die Vorratskammer und die übrigen drei sind zum Schlafen. Ihr ältester 22 Jahre alter Bruder wohnt nebenan mit seiner 19 Jahre alten Frau und dem einjährigen Baby und die ältere Schwester ist auch schon verheiratet. In dieser Gegend ist das Essen zwar mehr oder weniger vorhanden, da man Lebensmittel anbauen kann, aber darüber hinaus gibt es nicht sonderlich viel. Wir haben in eines der Schlafhäuser geschaut, das uns ziemlich leer vorkam. Bei den vielen Sachen, die wir normalerweise brauchen, hätte das Häuschen gar nicht ausgereicht.


Bei Maliam angekommen, wurden wir erst mal hingesetzt und allein gelassen. Das ist hier normal, weil es sich gehört, dass die Gastgeber in der Küche verschwinden und den Gästen Tee oder etwas zu Essen zubereiten. Es ist bei jedem Besuch Pflicht, dass man den Gast nicht ohne Essen wieder gehen lässt. Inzwischen kamen immer wieder Leute, die uns begrüßten, zum Beispiel Maliams Großvater, der gleich meinte, wir müssten mindestens zwei Wochen bleiben.

Tief entspannt und ruhig
Da wir auf die öffentlichen Verkehrsmittel angewiesen waren, konnten wir nicht sehr lange bleiben. Wir mussten ja noch bis zur Hauptstraße laufen, und die Verkehrsmittel haben keine genaue Abfahrtszeit. Um 11:45 Uhr wurden wir langsam nervös, weil wir nicht wussten, wie es mit dem Essen aussieht. Es gab keine Anzeichen, dass es bald fertig würde. Eine Stunde später waren wir kurz vorm Ausflippen, weil wir schon viel zu spät dran waren und das Essen immer noch nicht fertig war. Maliam hat das gar nicht mitgefühlt, sondern war tief entspannt und total zuversichtlich, dass wir es noch rechtzeitig schaffen. Natürlich wurde uns dann das Essen noch serviert. Um 13 Uhr waren wir fertig, aber als wir endlich loskamen, war es halb zwei.
Zuvor hatten wir noch unsere Geschenke, Honig und Salz, was dort nicht so leicht zu bekommen ist, überreicht. Und dann haben die Kinder angefangen, Hühner zu jagen, und die Eltern haben uns eines geschenkt. Wir hatten ein richtig schlechtes Gewissen, weil diese Familie sowieso schon wenig hat und uns dann auch noch ein so großes Geschenk machte. Es geht jedoch gar nicht, dass man so ein Geschenk abschlägt, genauso wenig, wie man das Essen ablehnen kann.
Jetzt mussten wir schnell laufen. Auf dem Weg mussten wir nochmal bei Siddys Vater vorbeischauen, der uns prompt auch noch ein Huhn schenkte. Am Ende waren wir eine halbe Stunde später, nassgeschwitzt und mit Blasen an den Füßen, an der Hauptstraße und haben unser Taxi noch bekommen.
Die Heimfahrt war auch noch ein Erlebnis für sich. Das Taxi war restlos überfüllt. Auch das Dach, das als Gepäckladefläche dient, war total beladen. Auch unsere Hühner wurden dort festgezurrt und hingen am Ende an der Seite herunter – arme Hühner….

Ein neues Mehrzweckgebäude
Was passiert eigentlich mit euren Spenden? Liebe Freunde, Verwandte und begeisterte Leser, heute wollen wir euch unsere Projekte näher vorstellen.
Das erste Projekt ist der Bau des Essensraums und Mehrzweckgebäudes.
Die Gesamtkosten für dieses Gebäudes betragen 55.361.000 Uganda-Schilling, das sind umgerechnet 14.570€. Durch viele Spenden im Lauf der letzten Monate ist dieses Geld zusammen gekommen.
Am 1. Mai konnten wir nach sorgfältiger Planung den Bau beginnen.

Fundamentarbeiten am neuen Mehrzweckgebäude – ein Projekt, für das Katharina und Paulina Spenden gesammelt haben.

Der Bauplatz hat sich auf einem hinteren Teil des Schulgeländes, welcher bisher nicht genutzt wurde, gefunden. Das Fundament war glücklicherweise von einem anderen Bauvorhaben schon vorhanden und es musste nur noch an den Rändern ausgebessert werden.
Danach wurden direkt die Wände und die Pfosten der Veranda hochgezogen. Somit konnten wir nach zwei Wochen schon gut sehen, wie das Gebäude am Ende aussehen würde.
Nachdem das Fundament für das Vordach betoniert war, wurde das Gebälk angebracht. Da es sichtbar bleibt, wurde es noch mit alten „Lappen“ gestrichen.

Das Gebäude ist noch nicht ganz fertig, aber es wird nicht mehr lange dauern. Der Abschlussbericht darüber folgt bald.

Schulgeld für die Ausbildung
Das zweite Projekt ist das Sponsoring von mehreren Schülerinnen in der Schneiderschule. Auch hier haben wir einige Spender gefunden, die die Kosten der Ausbildung für ein Mädchen vollständig oder teilweise übernehmen.
Die zweijährige Ausbildung kostet insgesamt 2.090.000 Uganda-Schilling. Das sind umgerechnet circa 550€.
Wir möchten uns ganz herzlich bei allen Spendern für das Sponsoring bedanken. Auch wenn das für euch vielleicht nur „wenig“ Geld ist, kommt das hier sehr gut an und bewirkt ganz viel Gutes.

Katharina Hutter

2017-11-20T12:36:30+00:00