Aus Briefen von Comboni-Missionaren

Um die Weihnachtszeit erreichen uns immer Briefe von Mitbrüdern aus Übersee – hier eine kleine Auswahl:

 

Bruder Hans Eigner schreibt aus Juba im Südsudan:
Das zu Ende gehende Jahr war für den Südsudan ein gewaltiger Rückschritt. Ein Stammeskrieg, besser gesagt ein Krieg der „Elite“ gegen das Volk, hat  große Wunden an der Zivilbevölkerung geschlagen.
Manchmal zweifle ich an der Versöhnungsfähigkeit des Menschen. “Die Gnade baut auf der Natur auf“ ist ein Grundsatz der Theologie. Was aber, wenn die menschliche Natur nach so vielen Jahren Krieg beschädigt und fast kaputt ist? Ich habe schmerzhaft erfahren, dass das so ist.
Die Flüchtlingscamps im Land und in den Nachbarländern sind voll von verängstigten Menschen. Versorgung, Hygiene und Hunger sind schlimm. Größer aber sind der Ärger, die Willkür und die Perspektivlosigkeit. Auch wir spüren das. Schon am Eingang der Camps, wo Regierungssoldaten uns hindern und nicht verstehen können, dass wir Menschen helfen und mit ihnen beten, von denen sie wünschten, dass es sie besser gar nicht gäbe.
Wir sind hier 47 Comboni-Missionare aus allen Teilen der Welt und sind an elf Orten des Landes tätig. Mit Hilfe Eurer Spenden konnte viel geholfen werden: Schulprojekte, Hilfe in den Flüchtlingscamps, sowie für den Einsatz für Gerechtigkeit und Friede. Ein ganz herzliches Vergelt’s Gott!

 

Bruder Günther Nährich aus Matany in Uganda:
Kürzlich erhielt ich ein Päckchen mit einem Nikolaus aus Schokolade.  Süße Schokolade. Doch innen: hohl.
Manchmal ist es in unserem Leben ganz ähnlich: Nach außen unbeschwert und glänzend. Wir leisten und erleben viel. Und wir haben viel, und meinen, dass wir es unbedingt brauchen.
Wenn wir aber hinter all das Glänzende von Erfolg, Leistung und Besitz schauen, spüren wir manchmal eine große Leere. Vielleicht ist diese Leere auch notwendig, denn nur indem ich mich ihr stelle, entdecke ich etwas ganz Wichtiges: Meine Sehnsucht nach Liebe, nach Tiefe, nach Sinn und Halt – nach Gott. Er schaut mich an wie junge Eltern, die ihr Neugeborenes als Wunder des Lebens bestaunen.

 

 

Pater Hubert Grabmann schreibt aus Kenia:
Wenn man sich nicht täglich sieht oder schreibt, gehen viele Kontakte verloren. Umso mehr freue ich mich über jede E-Mail, SMS oder Whatsapp-Nachricht mit Neuigkeiten aus Deutschland und von Euren Familien.
Dieses Jahr darf ich schon das 12. Mal Weihnachten in Kenia feiern. Es wird wohl für etliche Jahre das letzte Mal sein. 2017/18 soll ich neue Aufgaben übernehmen und, nach einigen Monaten in Rom, nach Deutschland zurückkehren. Ich habe fast ein wenig Angst, in die „Konsumwelt“ zurückzukehren, wo das Wesentliche so leicht verloren geht. Die Pokot leben ein sehr einfaches Leben, wo der Luxus manchmal darin besteht, ein Bett mit Matratze zu haben und Tisch und Stühle.
Natürlich hat sich vieles getan in unserer Gegend und Leute mit Ausbildung richten sich auch anders ein. Aber für die meisten Pokot ist das Leben noch immer sehr existentiell und unkompliziert. Die große Erwartung der Kinder an Weihnachten hier ist, dass eine Ziege geschlachtet wird und es Reis zu essen gibt.
Im Juli kam der Regen glücklicherweise noch rechtzeitig, so dass die Ernte nicht ganz so schlecht war. Aber auch innerhalb unserer Pfarrei war es ziemlich unterschiedlich. In den Bergen hatten sie eine gute Ernte, während in den tieferen Lagen der Regen nicht genug war und der Mais sehr klein ausfiel. Im Nordosten Kenias herrscht gerade eine verheerende Dürre.
2017 möchten wir fünf Brunnen bohren, von denen jeder etwa 15000 Euro kostet. Die Dörfer sollen zehn Prozent selber beitragen, der Rest soll dann von Organisationen, Freunden und anderen Quellen gedeckt werden.

 

Pater Josef Gerner schreibt aus Opid in Uganda:
Wir sind jetzt drei Priester in Opit mit fast 50 Außenstationen teils 60 Kilometer entfernt. Nach dem langen Krieg geht es jetzt um Festigung der vielen Gemeinden. Unsere Gemeinden wollen jetzt ihre Kirchen bauen. Unser Vorgänger hat viele angefangen und wir müssen weiterbauen. Am 23. Oktober hat unser Erzbischof eine große Marienkirche eingeweiht. Dabei wurden 260 Jugendliche gefirmt und zehn Ehen geschlossen. Tags zuvor hatten wir in einer anderen Zentrale auch über hundert Firmungen und vier Hochzeiten.  An Arbeit fehlt es uns wahrhaftig nicht.
In den Schulen konnten wir durch Eure Hilfe Waisen und Kindern aus sozial schwachen Familien einen Schulbesuch möglich machen. Dank dafür!
Der Bischof will unsere Pfarrei teilen. Das ist überfällig. Doch alle erwarten, dass wir Pfarrkirche und Pfarrhaus dafür bauen. Die Zeit für die Übergabe an afrikanische Priester ist nahe.

2017-08-24T11:59:32+00:00