Am 1. Juli 1867, vor 150 Jahren, gründete Daniel Comboni ein „Institut zur Bekehrung Afrikas“ und zu seiner Unterstützung das „Werk des Guten Hirten“. Die Comboni-Missionare betrachten dies als Gründung ihrer Gemeinschaft.

1867 war Daniel Comboni 36 Jahre alt und hatte schon einschneidende Erfahrungen hinter sich. Mit 26 Jahren hatte er sich zu einem Missionseinsatz gemeldet, hatte sich von Vater und Mutter in Limone verabschiedet und war voll Idealismus mit vier weiteren Gefährten nach Khartum aufgebrochen.

Khartum, am Ende der Welt
Khartum war damals so etwas wie das Ende der Welt. Es war die letzte Telegrafenstation. Bis dorthin ging die Post, und es gab einen einigermaßen geregelten Verkehr zu Schiff auf dem Nil und mit Karawanen. Weiter im Süden waren nur noch Urwald, Sumpf, ein buchstäblich mörderisches Klima. Jede weitere Reise Richtung Süden war Abenteuer pur. Es kamen keine Post und keine Nachrichten mehr. Es gab keinen Arzt weit und breit, keinen Laden, wo man Dinge des täglichen Bedarfs und gewohntes Essen kaufen konnte. Die Menschen sprachen eine total fremde Sprache und verstanden nicht einmal Arabisch. Ein Wörterbuch, womit man ihre Sprache hätte lernen können, gab es nicht. Die Menschen hatten Gewohnheiten, die so vollkommen anders waren als alles bisher Erlebte. Wer sich hierher wagte, ging wirklich „bis ans Limit“.

Lorenz Gerbl, Gründer der Aenania und Missionar in Khartum

Und tatsächlich hat kaum einer der meist jungen und kräftigen Missionare mehr als ein paar Jahre überlebt. Da waren hervorragende junge Männer – und später auch Frauen – dabei, wie etwa Lorenz Gerbl aus Wasserburg am Inn, der Gründer der Studentenverbindung Aenania in München. Auch er schloss sich dem Missionsunternehmen an, ging nach Khartum und starb bereits wenige Monate nach der Ankunft im Alter von 27 Jahren.
Comboni, der etwa um dieselbe Zeit ankam, – vielleicht haben sie sich noch getroffen, – wäre es fast ebenso ergangen. Kaum ein Jahr nach seiner Ankunft in der Missionsstation Heilig Kreuz am Nil südlich von Khartum wurde er schwerkrank herausgeholt, nachdem bereits zwei seiner vier Gefährten gestorben waren.

 

 

Todesmut oder Unverstand?
War es Todesmut oder Unverstand? Wahrscheinlich beides, zumindest aus heutiger Sicht. Mancher Missionsobere müsste sich heute vielleicht verantworten, weil er junge idealistische Leute leichtfertig in den Tod geschickt hat. Doch was wäre die Welt ohne Menschen, die bereit sind, alles zu riskieren. Es braucht beides, das kluge Abwägen und die Bereitschaft, bis ans Limit zu gehen. Unter den Wenigen anderen, die das Abenteuer wagten, waren vor allem Sklavenjäger und Elfenbeinhändler. Mit diesen wollten die Missionare zwar gar nichts zu tun haben, waren aber oft genug auf ihre Schiffe angewiesen. Das Misstrauen, das die Menschen ihnen gegenüber hatten, bekamen oft auch die Missionare zu spüren.

Idealismus allein genügt nicht
Comboni hat aus dieser Erfahrung seine Lehren gezogen. Er gehörte einer Priestergemeinschaft in Verona an, dem „Institut Mazza“ und wäre nach seiner Rückkehr sicher ein guter Seelsorger in einer der Gemeinden rund um Verona geworden. Aber die Situation der Menschen im Sudan, allem voran der Sklavenhandel, ließ ihm keine Ruhe. Er kam zum Schluss, dass Idealismus allein nicht genügt, dass es auch eine gute Ausbildung braucht, auch finanzielle Mittel, und dazu vor allem eine Organisation, eine Struktur, die alles zusammenhält und die Arbeit koordiniert. Dafür wollte er zuerst sein „Institut Mazza“ gewinnen. Dessen Obere wollten aber von weiteren Abenteuern dieser Art nichts wissen und lehnten ab.

Die Gründung des Instituts
Deswegen gründete Comboni am 1. Juli 1867 in Verona selbst ein „Institut zur Bekehrung Afrikas“ (l’Istituto delle Misioni per la Nigrizia) und zur finanziellen Unterstützung den Freundeskreis „Werk des Guten Hirten“ (L’Opera del Buon Pastore). Im „Jahr des Erlösers“ 1900 wurde es in „Werk des Erlösers umbenannt.
Die Comboni-Missionare betrachten das Jahr 1867 als ihr Gründungsjahr. Das war nicht immer selbstverständlich. Nach seinem Tod 1881 war die Gründung Combonis fast am Ende. 1885 wurde sein Institut in eine Kongregation umgewandelt.
1923 wurde, als Folge des Ersten Weltkriegs, die Kongregation in eine italienische und eine deutschsprachige geteilt. Den Mitbrüdern wurde die Wahl gelassen, welcher der beiden sie sich anschließen wollten.
1979 vereinigten sich beide Kongregationen wieder und gaben sich auch einen neuen Namen: „Comboni-Missionare vom Herzen Jesu“. Auch das war in gewissem Sinn eine Neugründung. Den Mitgliedern wurde freigestellt, sich der neuen Kongregation anzuschließen oder auch nicht.
Die Wiedervereinigung wurde inspiriert vom Ende der Kolonialzeit, der Überwindung nationalstaatlichen Denkens und ganz besonders auch vom Zweiten Vatikanischen Konzil. Ein Afrikaner hatte die Mission meist als eine deutsche, italienische oder französische Mission wahrgenommen und nicht als eine katholische. Unter den Missionaren wurde meist deutsch, italienisch oder französisch gesprochen. Heute sind fast alle Missionsstationen international zusammengesetzt. Die Missionare und Schwestern sprechen dann auch unter sich zwangsläufig die jeweilige Landessprache.
Aber auch das Missionsverständnis ist heute ein anderes. Waren früher die meisten Bischöfe Europäer und Mitglieder eines Missionsordens, sind die Missionare heute Diener einer eigenständigen Ortskirche. Sie fühlen sich als eine Art Brücke zwischen der einen und der anderen Ortskirche, die sich auf Augenhöhe begegnen.    reb

Die gegenwärtige Generalleitung der Comboni-Missionare. Von links: Pater Jeremias dos Santos Martins aus Portugal, Pater Rogelio Bustos Juarez aus Mexiko, Pater Tesfaye Tadesse Gebresilasie aus Äthiopien, Pater Pietro Ciuciulla aus Italien und Bruder Alberto Lamana Cónsola aus Spanien.