Schule auf der anderen Seite des Pults

Liebe Freunde, heute möchte ich erzählen, was ich hier seit zwei Monaten arbeite. Mein Arbeitsplatz ist in der „tailoring school“, also direkt nebenan. Das ist sehr praktisch ist, weil der Arbeitsweg dadurch nur eine Minute in Anspruch nimmt.

Das Schulsystem beinhaltet nach dem Kindergarten und der Vorschule sieben Jahre Grundschule und sechs Jahre weiterführende Schule. Das Schuljahr ist in drei Terme aufgeteilt, wobei der erste im Februar beginnt, und zwischen jedem Term sind ein bis zwei Monate Ferien. Wer sein Kind hier in die Schule schicken möchte, muss selbst für die Schulgebühren aufkommen, welche in der Grundschule noch niedriger sind als in der weiterführenden Schule. Dies beinhaltet meistens auch die Versorgung und Unterkunft, da Internate in Uganda sehr geläufig sind. Hier auf dem Land sind die meisten Menschen Farmer auf Selbstversorgungsbasis und somit ist zwar etwas zu Essen da, jedoch nicht viel mehr. Wenn kein Geld da ist, können die Kinder nicht zur Schule gehen und so gibt es viele Kinder, die allerhöchstens die Grundschule abgeschlossen haben.

Die „tailoring school“ in Alenga ist eine Schule, in der die Mädchen in zwei Jahren sowohl einen Beruf als Schneiderin erlernen als auch etwas Allgemeinbildung bekommen. Das ist eine Alternative zur weiterführenden Schule, da die Schulgebühren hier nicht so hoch sind und die Mädchen danach als Schneiderin Geld verdienen können. Das sagt auch das Schulmotto aus: „Earning for the future“ (frei übersetzt: in die Zukunft investieren).

Auf dem Schulgelände gibt es zwei Klassenräume, ein Büro für die Schulleitung, einen Schlafsaal, eine Küche plus Vorratsraum und Sanitärräume. Im Moment sind 35 Mädels im Alter zwischen 16 und 18 Jahren hier, die in der Schule lernen und wohnen. Es gibt immer etwas zu tun. Morgens geht es für die Mädels mit Gottesdienst um 6:45 Uhr los. Bevor der Unterricht dann um 8:30 Uhr beginnt, werden alle möglichen Arbeiten, zum Beispiel im Garten, verrichtet. Jeden Tag ist Nachmittagsunterricht bis um 16 Uhr und danach ist zwei Mal die Woche Sport, was Volleyball und Netball (eine Mischung aus Hand- und Basketball) beinhaltet. Abends ist Rosenkranz angesagt. Die Mädchen bekommen täglich drei warme Mahlzeiten: morgens Porredge (Maisbrei) und mittags und abends Poucho und Bohnen. Samstags waschen die Mädels ihre Kleidung, was immer ein super Anblick ist, wenn die ganzen Kleider zum Trocknen in der Sonne liegen. Außerdem wird geputzt und die Sisters freuen sich über Hilfe beim Fenster putzen oder auf dem Feld und bringen eine kleine Gegenleistung dafür. Das bedeutet straffes Programm und zum Glück bekommen die Mädchen keine Hausaufgaben.

Bei den Fächern liegt der Schwerpunkt natürlich auf dem Nähunterricht, was ungefähr die Hälfte der Stunden einnimmt. Nähen lernen die Mädchen auf alten Singernähmaschinen mit Fußpedal, aber es reicht auf jeden Fall und es funktioniert auch gut. Weitere Fächer sind technisches Zeichnen (für die Schnittmuster), katholische Religion, die von der Rektorin Sister Anna unterrichtet wird, etwas Mathe und etwas Englischgrammatik. Außerdem sind zwei Stunden die Woche dank Paulina Computerunterricht.

Und jetzt zu meinem Job. Abgesehen von dem Englischgrammatikunterricht gebe ich auch Englischunterricht. Ich habe jede Woche eine Stunde im ersten Jahrgang und drei Stunden im zweiten Jahrgang. Ich konzentriere mich nicht auf Grammatik, sondern auf Textverständnis und alles drum herum. Das bedeutet, ich lese meistens Texte und stelle dann Fragen und Aufgaben dazu.

Die Schwierigkeit am Anfang war zum einen der unterschiedliche Stand der Mädchen, da manche bis in der siebten Klasse und andere nur bis zur vierten Klasse die Schule besucht haben. Zum anderen habe ich ein bisschen gebraucht, bis ich einen guten Unterrichtsplan und eine Unterrichtsvorstellung  hatte. Da es hier auch gar keine Lehrbücher gibt, muss man sich eben selbst etwas überlegen. Zum Teil habe ich im Internet Geschichten gesucht aber mit der Zeit hat sich alles gut eingespielt.

Für den zweiten Jahrgang haben Pauli und ich ein gutes System gefunden. Wir haben die Klasse geteilt, sodass eine Hälfte Computerunterricht hat und die andere Hälfte Englisch. Nach einer Stunde wird getauscht. Ich habe angefangen, ein englisches Kinderbuch zu lesen und mit Wenigen ist das viel einfacher. Um sie lesen üben zu lassen, lasse ich sie immer reihum lesen. Dann reden wir über unbekannte Wörter im Text und ich stelle Verständnisfragen. Mir ist aufgefallen, dass Englisch sprechen können nicht gleichzeitig Englisch lesen und schreiben können bedeutet. Das Lesen und Schreiben wird hier nicht so gut gefördert wie das Sprechen, was mir auch im Gottesdienst auffällt, wenn die Mädchen die Lesung teilweise nicht sehr flüssig lesen und auch die Rechtschreibung ist bei vielen katastrophal.

Abgesehen von Englisch leite ich mit Pauli dienstagnachmittags eine „Musikstunde“, also Chor mit den Mädels. Das macht uns allen sehr viel Spaß und wir haben schon ein paar Lieder einstudiert. Von der Gitarre, die ich meistens mitbringe, sind die Mädchen auch sehr fasziniert und begeistert. Die Liedauswahl konzentriert sich hauptsächlich auf einfache englische Gospels und das deutsche Lied „Lasst uns miteinander“ können sie jetzt auch schon.

Meine Arbeit führe ich noch nicht so lange aus. Als ich Anfang Dezember hier her kam, habe ich gerade noch den letzten Schultag miterlebt, bevor die großen Ferien vor dem neuen Schuljahr begonnen haben. Somit hatte ich gleich mal zwei Monate Eingewöhnungszeit und Ferien. Ab dem 6. Februar sind die Mädels dann langsam wieder eingetrudelt – teilweise erst zwei oder drei Wochen später, aber das ist hier allgemein normal – und am 13. Februar hat der Unterricht begonnen. Mittlerweile waren schon „Mid-Term-Exams“ (Prüfungen in der Mitte des Terms) und diese Woche sind schon wieder Prüfungen und danach fast den ganzen Mai Ferien. Insgesamt gibt es in Uganda keine Klausuren – höchstens Tests – sondern nur zwei Mal pro Term Gesamtexamen, wo in jedem Fach innerhalb einer Woche eine Prüfung geschrieben wird.

Abgesehen von Unterricht sind wir fleißig dabei, unser Projekt zu planen. Da wir mittlerweile viele Spenden bekommen haben, haben wir beschlossen, etwas zu bauen. Dieses Gebäude soll der Schule zugutekommen. Da die Schule den ärmeren Familien entgegenkommt, ist es für die Schule selbst schwer, die Lehrkräfte und das Essen zu bezahlen und daher gibt es auch keinen Raum zum Essen, weswegen die Mädchen im Schlafsaal auf ihren Betten essen. Diese Situation ist nicht gerade schön. Um die Schule zu unterstützen, möchten wir ein Mehrzweckgebäude bauen, das in erster Linie als Speisesaal für die Mädchen dienen soll, aber auch für Meetings oder ähnliches vermietet werden kann und somit eine kleine Einkommensquelle für die Schule ist. Dieses soll sehr einfach werden, aber seinen Zweck erfüllen. Der Bau hat noch nicht begonnen, aber langsam läuft alles gut an. Natürlich freue ich mich auch weiterhin über jede Spende, die hier so wertvoll ist und viel bewirken kann!

Wir sind auch auf den Gedanken gekommen, die Schülerinnen selbst zu unterstützen. Das Schulgeld liegt bei circa 100€ für einen Term, was schon weniger ist, als in normalen Schulen, aber trotzdem für viele Familien unbezahlbar. Wenn ihr Interesse habt, ein Mädchen zu unterstützen, könnt ihr euch sehr gerne bei mir melden! Es sind zwar nicht viele Mädchen auf der Schule, aber für jedes Mädchen, das die Möglichkeit hat, auf diese Schule zu gehen, bedeutet das eine großartige Chance für ihre Zukunft.

Ich hoffe, ihr hattet ein schönes Osterfest!

Bis Bald

Eure Katharina

Katharina Hutter ist seit Dezember 2016 als Missionarin auf Zeit (MaZ) in Alenga, Uganda. Dort hilft sie für ein Jahr in der tailoring school mit.

Auf dem „MaZ-Blog“ www.cosamaz.org finden Sie weitere Briefe von Katharina und den anderen Missionaren und Missionarinnen auf Zeit im Einsatz.

2017-07-03T17:45:14+00:00